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„Ihr habt das nicht verbrannt!“ rief die Koͤnigin voll Angſt.
„Ohl theure Majeſtät,“ erwiederte die Herzogin, „die Verräther allein verbrennen eine königliche Corre⸗ ſpondenz. Ja, allerdings, oder vielmehr ſie geben ſich den Anſchein, als verbrennten ſie dieſelbe, behalten oder ver⸗ kaufen ſie aber.“
„Mein Gott!“
„Die Getreuen vergraben im Gegentheil dergleichen Schätze ſorgfältig, dann ſuchen ſie eines Tags die Kö⸗ nigin auf und ſagen zu ihr:„„Madame, ich werde alt, ich fühle mich krank; es iſt Todesgefahr für mich, Ge⸗ fahr der Enthüllung für das Geheimniß Eurer Majeſtät vorhanden; nehmt alſo dieſes gefährliche Papier und verbrennt es ſelbſt.“ Aeltt
„Ein gefährliches Papier! Welches?“
„Ich, was mich betrifft, habe allerdings nur eines, doch es iſt ſehr gefährlich.“ 1
„Oh! Herzogin, ſprecht, ſprecht!“
„Es iſt das Billet, datirt Dienſtag d. 2. Auguſt 1644, worin Ihr mich nach Noiſy⸗le⸗Sec gehen hießet, um das theure unglückliche Kind zu ſehen. Es ſteht dies von Eurer Hand geſchrieben:„„An das theure un⸗ glückliche Kind.““
In dieſem Augenblick trat ein tiefes Stillſchweigen ein; die Königin ſondirte den Abgrund, Frau von Chev⸗ reuſe ſtellte ihre Falle.
„ Ja, unglücklich, ſehr unglücklich,“ murmelte Anna von Oeſterreich,„welch ein trauriges Leben hat es ge⸗ führt, das arme Kind, um zu einem ſo grauſaämen Ende zu gelangen!“ 3
„Es iſt geſtorben!“ rief raſch die Herzogin mit einer Neugierde, deren aufrichtigen Ausdruck die Köni⸗ gin gierig auffaßte. 3
„Geſtorben an der Abzehrung, vergeſſen geſtorben, verwelkt geſtorben, wie jene Blumen von einem Ge⸗


