Teil eines Werkes 
29.-32. Bändchen (1849)
Entstehung
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Erinnert ſich Gure Majeſtät des Tages, wo dieſer merz zum erſten Mal fühlbar wurde?

Ich erinnere mich, daß es ein ſehr trauriger Tag

war, Motteville.

Dieſer Tag war nicht immer für Eure Majeſtät traurig geweſen.

Warum?

Weil drei und zwanzig Jahre vorher Seine Ma⸗ jeſtät der regierende König, Euer glorreicher Sohn, Madame, zu derſelben Stunde geboren worden war.

Die Königin ſtieß einen Schrei aus, neigte ihre Stirne auf ihre Hände und verſank in Gedanken.

War dies Nachdenken oder Erirnerung? war es abermals Schmerz?

Die Molina warf auf Frau von Motteville einen beinahe wüthenden Blick, der ganz einem Vorwurf glich, und die würdige Frau, die das nicht begriff, wollte eben zur Befreiung ihres Gewiſſens die Köni⸗ gin befragen, als ſich Anna von Oeſterreich plötzlich erhob und zu ihr ſprach:

Am 5. September! ja, am 5. September iſt mein Schmerz erwacht. Große Freude an einem Tag, großer Schmerz an einem andern! Großer Schmerz, Sühnung einer zu großen Freude!

Und von dieſem Augenblick blieb Anna von Oeſter⸗ reich, die ihr ganzes Gedächtniß und ihre ganze Ver⸗ nunft erſchöpft zu haben ſchien, undurchdringlich, das Auge düſter, den Geiſt umherſchweifend, die Hände hängend. 4

Wir müſſen zu Bette gehen, ſagte die Molina.

Sogleich, Molina. 1 24

Laſſen wir die Königin, fügte die zähe Spa⸗ nierin bei.

Frau von Motteville ſtand auf; Thränen groß und glänzend, wie Kinderthränen, liefen langſam über die

weißen Wangen der Königin herab.