Teil eines Werkes 
29.-32. Bändchen (1849)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Was iſt das, Vanel? d*

Ein Brief von meiner Frau, Monſeigneur.

Colbert huſtete. Er nahm den Brief, öffnete, las ihn und ſteckte ihn in ſeine Taſche, während Vanel unempfindlich in ſeinen Prozeßakten blätterte.

Vanel, ſagte plötzlich der Beſchützer zu ſeinem Schützling,Ihr ſeid ein Mann der Arbeit 24

Ja, Monſeigneur.

Zwölf Stunden ſtudiren würde Euch nicht bange machen?

Ich ſtudire fünfzehn täglich.

Unmöglich. Ein Rath braucht nicht mehr als drei für das Parlament zu arbeiten.

Oh! ich mache Etwas für einen Freund, der beim Rechnungsweſen angeſtellt iſt, und da mir noch Zeit übrig bleibt, ſo ſtudire ich das Hebräiſche.

Ihr ſteht in großem Anſehen beim Parlament, Vanel.

Ich glaube, ja, Monſeigneur.

Ihr müßtet nicht auf dem Rathsſitze verdumpfen.

Was hätte ich zu dieſem Behufe zu thun?

Eine Stelle zu kaufen.

Welche?

Etwas Großes. Die kleinen Ambitionen ſind am Unbequemſten zu befriedigen.

Die kleinen Börſen, Monſeigneur, ſind am ſchwer⸗ ſten zu füllen.

Welche Stelle habt Ihr im Auge? fragte Colbert.

Ich habe keine im Auge.

Es gibt eine, doch man muß der Koͤnig ſein, um ſie zu kaufen, ohne ſich in Verlegenheit zu ſetzen; dem König wird es aber nicht einfallen, eine Generalan⸗ walts⸗Stelle zu kaufen. 4

Als Vanel dieſe Worte hörte, heftete er auf Col⸗

bert einen zugleich demüthigen und trüben Blick.

Colbert fragte ſich, ob er errathen worden, oder ob ihm der Gedanke dieſes Menſchen nur begegnet ſei.