„—
19
„Verächtlich,“ rief der junge Mann,„veraͤchtlich, Ihr, ohl ich habe das ſicherlich nicht geſagt; ich konnte das, was es Koſtbarſtes für mich auf der Welt gibt, nicht etwas Verächtliches nennen; nein, nein, ich habe das nicht geſagt.“
„Eine Frau, die einen Mann, verzehrt von dem Feuer, das ſie entzündet, ſterben ſteht, und dieſes Feuer nicht löſcht, iſt meiner Anſicht nach eine verächtliche Frau.“
„Ohl was iſt Euch an dem gelegen, was ich ge⸗ ſagt habe? Mein Gott! was bin ich gegen Euch! und warum ſolltet Ihr Euch darum bekümmern, ob ich exi⸗ ſtire oder nicht exiſtire!“
„Herr von Guiche, Ihr ſeid ein Mann, wie ich ein Weib bin, und da ich Euch kenne, wie ich Euch kenne, ſo will ich Euch nicht dem Sterben preisgeben; ich wechſele mit Euch Benehmen und Charakter. Ich werde nicht offenherzig, das bin ich immer, ſondern wahr ſein. Ich ſlehe Euch alſo an, Herr von Guiche, liebt mich nicht mehr und vergeßt ganz und gar, daß ih. Euch je ein Wort oder einen Blick zugewendet habe.“
Guiche wandte ſich um, bedeckte Madame gleichſam mit einem leidenſchaftlichen Blick und erwiederte:
„Ihr, Ihr entſchuldigt Euch, Ihr fleht mich an?“
„Ja, allerdings, weil ich das Boöͤſe gethan habe, muß ich es wieder gut machen. Alſo, Herr Graf, wir ſind dahin übereingekommen: Ihr vergebt mir meine Leichtfertigkeit, meine Coquetterieen... Unterbrecht mich nicht... Ich vergebe Euch, daß Ihr geſagt, ich ſei leichtfertig, coquette, etwas Schlimmeres vielleicht noch, und Ihr verzichtet auf Eure Todesgedanken und bewahret Eurer Familie, dem König und den Damen einen Cavalier, den Jedermann achtet und den Viele lieben.“
Madame ſprach dieſes letzte Wort mit einem ſol⸗ chen Ausdruck von Offenherzigkeit und von Zärtlichkeit


