an en
15
ſinnig, fehr verliebt in Neuigkeiten, ſehr empfänglich für das Lob, und ſollte es von einem Blinden oder einem Kinde kommen, und Du fängſt dergeſtalt Feuer, daß Du Dich ſelbſt verzehrſt. Schaue die Frau an, liebe ſie, denn Keiner, deſſen Herz nicht anderswo ge⸗ fangen iſt, kann ſte anſehen, ohne ſie zu lieben. Doch, während Du ſie liebſt, achte in ihr zuerſt den Rang ihres Gemahls, ſodann ihn ſelbſt, und endlich Deine eigene Sicherheit.“
„Ich danke, Raoul.“
„Wofür?“
„Dafür, daß Du mich, weil Du mich durch dieſe Frau leiden ſiehſt, tröſteſt, dafür, daß Du mir von ihr alles Gute ſagſt, was Du von ihr denkſt, und vielleicht ſogar, was Du nicht von ihr denkſt.“
„Ohl Du täuſcheſt Dich, Guiche, was ich denke, ſage ich nicht immer, doch dann ſage ich nichts; wenn ich aber ſpreche, weiß ich weder zu heucheln, noch zu hintergehen, und wer mich hört, kann mir glauben.“
Den Hals vorgeſtreckt, das Ohr gierig, das Auge erweitert und in der Dunkelheit zu ſehen bemüht, athmete Madame mittlerweile den geringſten Hauch ein, der durch die Zweige ſtrich.
„Oh! ich kenne ſie beſſer, als Du!“ rief Guiche. „Sie iſt nicht leichtſinnig, ſie iſt frivol; ſie iſt nicht in Neuigkeiten verliebt, ſie iſt ohne Gedächtniß, und ohne Treu und Glauben; ſie iſt nicht ganz einfach empfäng⸗ lich für das Lob, ſondern ſie iſt auf eine abgefeimte und grauſame Weiſe coquette. Tödtlich coquette! Oh! ja, ich weiß es. Glaube mir, Bragelonne, ich leide alle Qualen der Hölle; muthig, leidenſchaftlich die Ge⸗ fahr liebend, finde ich eine Gefahr, welche größer iſt, als meine Stärke und mein Muth. Doch ſiehſt Du, Raoul, ich behalte mir einen Sieg vor, der ſie viele Thränen koſten wird.“
Raoul ſchaute ſeinen Freund an, und als dieſer,


