13
„Ihr höret mich nicht, Guiche, oder vielmehr, Ihr verſteht mich nicht. Ich ſage, es ſei ein großes Un⸗ glück für Euch, nicht, daß Ihr liebet, ſondern daß Ihr Eure Liebe nicht zu verbergen wiſſet.“
„Wie ſo?“ rief Guiche.
„Ja, Ihr bemerkt Eins nicht, daß ihr jetzt nicht mehr allein Eurem einzigen Freund, das heißt, einem Menſchen, der ſich eher tödten ließe, als daß er Euer Geheimniß verrathen würde, Euere Liebe geſteht, ſon⸗ dern dem Erſten dem Beſten.“
„Dem Erſten dem Beſten,“ rief Guiche,„ſeid Ihr verrückt, Bragelonne, daß Ihr mir ſolche Dinge ſagt!“
„Es iſt ſo.“
„Unmöglich! Wie und auf welche Art ſollte ich in dieſem Grad ſchwatzhaft geworden ſein?“
„Ich will damit ſagen, mein Freund, daß Cure Augen, Eure Geberden, Euer Seußzen wider Euren Willen ſprechen; daß jede übertriebene Leidenſchaft den Menſchen aus ſich hinausreißt. Dann gehöͤrt dieſer Menſch nicht mehr ſich an; er iſt einer Verrücktheit preisgegeben, die ihn ſein Leiden den Bäumen, den Pferden, der Luft zu erzählen veranlaßt, ſobald er kein vernünftiges Weſen mehr im Bereiche ſeiner Stimme hat. Erinnert Euch aber, mein Freund, daß beinahe immer Einer da iſt, der ganz beſonders die Dinge hört, welche nicht gehört werden ſollen.“
Guiche ſtieß einen tiefen Seufzer aus.
„Höret,“ fuhr Bragelonne fort,„in dieſem Augen⸗ blick thut Ihr mir leid; ſeit Eurer Rückkehr habt Ihr mir hundertmal und auf hundert verſchiedene Weiſen Euere Liebe für ſie erzählt, und es wäre doch, hättet Ihr nichts erzählt, Eure Rückkehr allein ſchon eine furchtbare Indiscretion geweſen. Hieraus mache ich folgenden Schluß: wenn Ihr Euch nicht beſſer in
Obacht nehmt, als Ihr es thut, ſo wird früher oder
ſpäter ein Tag kommen, der eine Exploſion herbeiführt. Wer wird Euch dann retten? ſprecht, antwortet mir?


