Teil eines Werkes 
7.-10. Bändchen (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

Morgen früh?

Ja, mein Herr.

Der Courier verſuchte ſeinen tiefſten Bückling und wandte ſich auf den Abſätzen um.

Anm andern Morgen war er ſchon um ſieben Uhr auf ſeinem Poſten. Mazarin ließ ihn bis um zehn Uhr warten. Colbert verzog im Vorzimmer keine Miene; als die Reihe an ihn kam, trat er ein.

Mazarin übergab ihm ein verſiegeltes Päckchen; auf dem Umſchlag deſſelben ſtanden die Worte geſchrie⸗ ben:An Herrn Michel Letellier u. ſ. w. 5

Colbert ſchaute das Päckchen mit großer Aufmerk⸗ ſamkeit an; der Cardinal machte ihm ein freundliches Geſicht und ſchob ihn nach der Thüre.

Und der Brief der Königin Mutter, Monſeig⸗ neur? fragte Colbert.

Er iſt beim Uebrigen in dem Päckchen, erwie⸗ derte Mazarin.

Ahl ſehr gut, ſagte Colbert, und er drückte ſei⸗ nen Hut zwiſchen ſeine Kniee, und ſing an das Päck⸗ chen zu entſiegeln.

Mazarin ſtieß einen Schrei aus.

Ton. Ich entſiegle das Paquet, Monſeigneur.. Ihr mißtraut mir, Herr Schulfuchs? Hat man

je eine ſolche Unverſchämtheit geſehen?

Oh! Monſeigneur, werdet nicht aͤrgerlich gegen

mich! Gott ſoll mich behüten, daß ich das Wort Eu⸗ rer Eminenz in Zweifel ziehe!

Was denn?

Die Pünktlichkeit Eurer Kanzlei, Monſeigneur. Was iſt ein Brief? Ein Fetzen. Kann ein Fetzen nicht vergeſſen werden?... Und ſeht, Monſeigneur,

ſeht, ob ich Unrecht hatte!... Eure Commis haben

den Fetzen vergeſſen: der Brief ſindet ſich nicht in dem Päckchen. 2

Was macht Ihr denn da? ſagte er mit grobem