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Er hatte von Anna von Oeſterreich einen für ihn ſehr koſtbaren und für Mazarin ſehr gefährlichen Brief erhalten; doch da er ſchon die doppelte Rolle ſpielte, die ihn ſo gut unterſtützte, und ſtets zwei Feinde nährte, um aus dem einen und aus dem andern Nutzen zu zie⸗ hen, ſei es dadurch, daß er ſte noch mehr entzweite, als ſte es ſchon waren, ſei es, daß er ſie verſöhnte, ſo wollte Michel Letellier Mazarin den Brief von Anna von Oeſterreich ſchicken, damit er Kenntniß davon nähme und ihm dem zu Folge für einen ſo artig geleiſteten Dienſt Dank wuͤßte.
Den Brief überſchicken war leicht; ihn nach der Mittheilung wiederzubekommen, darin lag die Schwie⸗ rigkeit. Letellier ſchaute umher, und als er den ſchwar⸗ zen, mageren Commis erblickte, der mit gefalteter Stirne in ſeiner Kanzlei kritzelte, zog er ihn dem beſten Gen⸗ darme zur Ausführung ſeines Planes vor.
Colbert ſollte nach Sedan mit dem Befehl abrei⸗ ſen, den Brief Mazarin mitzutheilen und dann Letellier zurückzubringen. 3
Er hörte den Befehl, den man ihm ertheilte, mit ängſtlicher Aufmerkſamkeit an, ließ ſich den Inhalt zwei⸗ mal wiederholen und erkundigte ſich auf das Genauſte, ob das Zurückbringen ebenſo nothwendig ſei, als das Mittheilen.
„Nothwendiger,“ antwortete Letellier.
Dann brach er auf, reiſte wie ein Courier, ohne Rückſicht auf ſeinen Körper, und übergab Mazarin zu⸗ erſt ein Schreiben von Letellier, das ihm die Ueberſen⸗ dung des koſtbaren Briefes ankündigte, und dann die⸗ ſen Brief ſelbſt.
Mazarin erröthete ſehr, als er den Brief von Anna von Oeſterreich las, lächelte Colbert freundlich zu und entließ ihn. 2 3
„Wann erhalte ich die Antwort, Monſeigneur?“ fragte demüthig der Conrier.
„Morgen.“


