Teil eines Werkes 
7.-10. Bändchen (1848)
Entstehung
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Colbert hatte den Einfall gehabt, die Gouverneurs der Gränzfeſtungen zu zwingen, die Garniſonen ohne Sold, aus dem, was ſie von den Contributionen bezo⸗ gen, zu ernaͤhren. Eine ſo koſtbare Eigenſchaft gab dem Herrn Cardinal Mazarin den Gedanken, Joubert, ſeinen Intendanten, der kurz zuvor geſtorben war, durch Herrn Colbert zu erſetzen, der die Portionen ſo gut zu benagen wußte.

Colbert ſchwang ſich allmälig bei Hofe empor, trotz der Mittelmäßigkeit ſeiner Geburt, denn er war der Sohn eines Mannes, der Wein verkaufte, wie ſein Vater, welcher ſofort mit Tuch und dann mit Seiden⸗ ſtoffen gehandelt hat.

Anfangs zum Kaufmann beſtimmt, war Colbert zu⸗ erſt Commis in einem Handelsgeſchäft in Lyon, das er verließ, um in Paris in die Schreibſtube eines Anwalts beim Chatelet, Namens Biterne, einzutreten. So lernte er die Kunſt, eine Rechnung zu ſtellen, und die noch viel koſtbarere Kunſt, eine Rechnung zu verwirren.

Die Steifheit von Colbert kam dieſem vortrefflich zu Statten, ſo wahr iſt es, daß das Glück, wenn es eine Laune hat, jenen Frauen des Alterthums gleicht, deren Phantaſie nichts bei dem Phyſiſchen und Mora⸗ liſchen der Dinge und der Menſchen zurückſchreckt. Col⸗ bert, der bei Michel Letellier, Staatsſecretaire im Jahr 1646, durch ſeinen Vetter Colbert, Grundherrn von Saint⸗Ponange, welcher ihn begünſtigte, ein Unterkom⸗ men gefunden hatte, erhielt eines Tages vom Miniſter einen Auftrag an den Cardinal Mazarin.

Seine Eminenz der Cardinal erfreute ſich damals noch einer blühenden Geſundheit, und die ſchlimmen

Jahre der Fronde hatten für ihn noch nicht dreifach und vierfach gezählt. Er war in Sedan, ſehr tief in eine Hofintrigue verwickelt, wobei Anna von Oeſterreich ſeine Sache verlaſſen zu wollen ſchien.

3 Letellier hielt alle Fäden dieſer Intrigue in ſeinen Händen. 4