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Colbert war nicht fern. Er hatte ſich den ganzen t Abend in einem Corridor aufgehalten, wo er mit Ber⸗ nouin und Brienne plauderte und mit der gewöhnlichen Geſchicklichkeit der Hofleute Commentare zu den Neuig⸗ keiten machte, welche, wie Luftblaſen auf dem Waſſer, auf der Oberfläche jedes Ereigniſſes erſchienen. Es iſt ohne Zweifel Zeit, mit einigen Worten eines der inter⸗ 2 eſſanteſten Portraits dieſes Jahrhunderts zu entwerfen, und es vielleicht mit ſo viel Wahrheit zu zeichnen, als b dies nur Maler jener Zeit thun konnten. Colbert war ein Mann, auf den der Geſchichtſchreiber und der Mo⸗ 9 raliſt ein gleiches Recht haben. Er war dreizehn Jahre älter, als Ludwig XIV.,
e0 ſein kuͤnftiger Herr. Von mittlerem Wuchſe, eher ma⸗ ger als fett, hatte er ein tiefliegendes Auge, eine ge⸗ . meine Miene und dicke, ſchwarze, ſpärliche Haare, was 5 ihn, wie die Biographen ſeiner Zeit ſagen, frühe die Plattmütze nehmen ließ. Ein Blick voll Strenge, voll Härte ſogar, eine Art von Steifheit, welche für die de Untergeordneten Stolz, für die Höheren eine Affecta⸗ 3 tion ſtrenger Tugend war; ein trotziges Geſicht bei allen Dingen, ſelbſt wenn er ſich allein in ſeinem 4 Spiegel betrachtete... dies war das Aeußere unſeres 3 Mannes. 3 In moraliſcher Hinſicht rühmte man die Tiefe ſei⸗ 12 nes Talents im Rechnungsweſen, ſeinen erſindungsrei⸗ is chen Geiſt, um ſelbſt der Unfruchtbarkeit einen Ertrag 3 abzunöthigen.


