Teil eines Werkes 
7.-10. Bändchen (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

die Liſte iſt erſchöpft, meine Boͤrſe auch. Ihr ſeid nicht geheilt, und ohne meine Kunſt wäret Ihr todt. Es iſt vorbei, murmelte der Cardinal,es iſt

vorbei.

Er ſchaute mit einem düſteren Blick auf ſeinen

*

Reichthümern umher. Ich werde dies Alles verlaſſen müſſen! ſeufzte er.Ich bin todt, Guénaud, ich bin todt!

Oh! noch nicht, Monſeigneur, ſagte der Arzt.

Mazarin ergriff ſeine Hand und fragte, indem er zwei große, ſtarre Augen auf das unempfindliche Geſicht des Arztes heftete: 3

In wie viel Zeit?

Monſeigneur, man ſagt das nie.

Es mag ſein, gewöhnlichen Menſchen, doch mir .. mir, bei dem jede Minute einen Schatz werth iſt; ſage es mir, Guénaud, ſage es mir!

Nein, nein, Monſeigneur.

Ich will es haben, ich will es haben. Oh! gib mir einen Monat, und für jeden von dieſen dreißig Tagen bezahle ich Dir hunderttauſend Livres.

Monſeigneur, entgegnete Guénaud mit feſter Stimme,Gott ſchenkt Euch die Gnadentage und nicht ich. Gott ſchenkt Euch nur vierzehn Tage!

Der Cardinal ſtieß einen ſchmerzlichen Seufzer aus, ſiel auf ſein Kopfkiſſen zurück und flüſterte:

Ich danke Euch, Guénaud. 6

Der Arzt wollte ſich entfernen; doch der Sterbende erhob ſich noch einmal und ſprach mit flammenden Augen: Still geſchwiegen, Guénaud, ſtill geſchwiegen!

Monſeigneur, ſeit zwei Tagen weiß ich das Ge⸗ heimniß; Ihr ſeht, daß ich es wohl bewahrt habe.

Geht, Guénaud, ich werde für Euer Glück Sorge tragen. Geht und heißt Brienne mir einen Commis ſchicken, den man Herrn Colbert nennt. 4