Nach fünf Minuten trat der Seeretaire ein.
„Mein Herr,“ ſprach Mazarin,„ich habe der Mo⸗ narchie einen großen Dienſt geleiſtet, den größten, den ich ihr vielleicht je geleiſtet. Ihr werdet dieſen Brief, der dies beglaubigt, zu Ihrer Majeſtät der Königin Mutter bringen, und wenn ſie ihn Euch zurückgegeben hat, legt Ihr ihn in den Carton B, der von Doeumen⸗ ten und Acten bezüglich auf meinen Dienſt voll iſt.“
Brienne trat wieder ab, und da dieſer ſo inter⸗ eſſante Brief entſiegelt war, ſo verfehlte er nicht, ihn unter Weges zu leſen. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß Bernouin, der mit aller Welt gut ſtand, nahe genug auf den Secretaire zutrat, um über ſeine Schulter leſen zu können. Die Nachricht verbreitete ſich mit ſolcher Schnelligkeit im Schloß, daß Herr von Mazarin einen Angenblick befürchtete, ſie könnte zu den Ohren der Königin gelangen, ehe Herr von Brienne ihr den Brief von Ludwig XIV. überreicht hätte. Ein paar Minuten nachher waren alle Befehle zum Aufbruch ertheilt und Herr von Condé, der den König bei ſeinem angeblichen Lever begrüßt hatte, ſchrieb in ſeine Tabletten die Stadt Poitiers als Aufenthalts⸗ und Ruheort für Ihre Ma⸗ jeſtäten ein.
So entwickelte ſich in einigen Augenblicken eine Intrigue, welche auf eine dumpfe Weiſe alle Diploma⸗ tien Europas beſchäftigt hatte. Sie hatte indeſſen kei⸗
nen andern klaren und ſcharf ſich herausſtellenden Erfolg,
als daß ein armer Lieutenant der Musketiere ſeine Stelle und ſeine Anwartſchaft auf erfreulichere Glücks⸗ umſtände verlor, wogegen er aber ſeine Freiheit gewann.
Wir werden bald erfahren, wie Herr d'Artagnan dieſe Freiheit benützte. Für jetzt müſſen wir, wenn es uns der Leſer erlauben will, nach dem Gaſt⸗ hauſe zu den Medicis zurückkehren, in welchem ſich ein Fenſter in dem Augenblick öffnete, wo im Schloß die Befehle zur Abreiſe des Königs gegeben wurden.
Dieſes Fenſter, das ſich öffnete, war das von einen


