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gend, nur noch zu leben ſchien, um das Kind das ſie unter ihrem Herzen trug für das Daſein zu er⸗ halten; der Bräutigam, der ſich zu gleicher Zeit mit dem Tod und dem Mädchen vermählte und als Hochzeitbett einen Sarg bekommen ſollte; alles Das, beglänzt von dem funkelnden Schein einiger Kerzen, bildete ein Gemälde der rührendſten Art.
Als der Prieſter den Sterbenden fragte, ob er entſchloſſen ſei Thereſe zur Gattin zu nehmen, ſprach Gratien ein ſo helles und ſo deutliches Ja, daß man es am andern Ende des Zimmers hörte; dann ſtützte er den Kopf auf ſeine Hände und ſchien ängſt⸗ lich Thereſens Antwort auf dieſelbe Frage abzu⸗ warten..
Im Augenblick, wo der Ofſiziant die Worte ſprach, welche die Vereinigung der beiden Gatten vor Gott beſtätigten, ließ Gratien ſeinen Kopf auf das Kiſſen zurückſinken, ſeine Hand drückte ſanft Thereſens Hand, welche der Prieſter hineingelegt hatte, dann ſuchte er mit den Augen Herrn de la Graverie, der inbrünſtig betend am Bette kniete, und murmelte mit erloſchener Stimme:
„Sind Sie zufrieden, mein Herr?“
Aber die doppelte Anſtrengung, die er gemacht hatte um ja zu antworten und um dieſe Frage an den Chevalier zu richten, hatte den Verwundeten erſchöpft. Eine krampfhafte Bewegung ſchüttelte ihn; was von Röthe auf ſeinen Wangen und von Feuer in ſeinen Augen zurück geblieben war, ent⸗ ſchwand.
„Madame,“ ſagte der Prieſter,„wenn Sie den


