Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
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Mein Sohn hat ſich ſehr ſchwer gegen Sie vergangen, mein Fräulein, ſagte er, ner büßt da⸗ für gerecht, aber ſchrecklich. Wollen Sie ihm gü⸗ tigſt verzeihen und durch Ihr Mitleid die letzten Augenblicke meines armen Kindes lindern?

Thereſe warf ſich neben Gratiens Bett auf die Knie, nahm die bereits eiskalten Hände des Ster⸗ benden in die ihrigen und preßte ſie ſchluchzend an ihre Lippen.

Bei dieſem Druck belebte ſich Gratien wieder und verſuchte es ſeiner traurigen Braut dankbar zuzulächeln.

In dieſem Augenblick traten der Beamte und die Prieſter, die man beſchickt hatte, ins Zimmer.

Der Erſtere nahm die geſetzliche Vermählung vor.

Dann begannen der Prieſter und ſeine Gehilfen,

die ihre kirchlichen Gewande angezogen hatten, die

religiöſe Ceremonie.

Es war ein wahrhaft impoſantes Schauſpiel, das in dieſem Zimmer aufgeführt wurde.

Ueberall der Todesapparat, Leintücher mit dickem Blut geſchwängert auf den Teppichen, chirurgiſches Beſteck auf einem Tiſch; in den Ecken ſitzend oder um das Bett her ſtehend Männer mit bleichen und beſtürzten Geſichtern: mitten in all Dem das laute Schluchzen Thereſens, welches die eintönige Stimme des die Gebete herleiernden Prieſters unterbrach, und Alles übertönend das durchdringende ziſchende Athmen des Verwundeten, endlich die Phyſiognomie der Hochzeitleute; die Braut, dieſes arme Mädchen, das kaum von einer furchtbaren Krankheit wieder hergeſtellt war und, unter ſeiner Aufregung erlie⸗