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lier, und nach der Idee, die ich von Ihnen gefaßt habe, will Sie lieber dieſe Sünde als die andere begehen, lieber gegen die Convenienz als gegen die Menſchlichkeit verſtoßen ſehen.“
Der Chevalier antwortete nicht, ſondern beugte ſein Haupt; ſeine Seele wurde von tauſend ver⸗ ſchiedenen Gefühlen aufgeregt.
Er dachte an Mathilde, deren Kind dieſes un⸗ glückliche Mädchen ſein mußte; er verſetzte ſich um fünfundzwanzig Jahre zurück, er ſah jjene ruhigen, glücklichen Tage, zuerſt ihrer Spiele und dann ihrer Liebe wieder; es war ſeit achtzehn Jahren vielleicht das erſte Mal, daß er ſeine Blicke auf die Vergan⸗ genheit zu werfen wagte, und nicht ohne Beſchämung dachte er daran, daß er die kleinlichen Vergnügun⸗ gen des befriedigten Egoismus mit dieſen Freuden hatte vergleichen können, die ſo ſtark und lebhaft waren, daß ſie noch nach mehr als zwanzig Jahren ſeine Seele wieder zu erwärmen vermochten.
„Wenn er die arme Kranke anſah, empfand er bittere Reue, ſein Gewiſſen ſagte ihm, daß er trotz des ſchlechten Benehmens ihrer Mutter nichtsdeſto⸗ weniger Pflichten gegen dieſes Kind gehabt habe und daß er dieſen Pflichten nicht nachgekommen ſei.
Er dachte auch an die unſeligen Folgen, welche der Raub ihres Wächters für das Mädchen gehabt. Vielleicht hatte er ſie durch die Entwendung Blacks wehrlos dem Verrath preisgegeben; er gelobte ſich ſeine Fehler wieder gut zu machen, denn er erkannte in allem Dem die Hand Gottes.
Als der Doctor ihn ſo tief in ſeine Betrachtungen verſunken ſah, dachte er, der Chevalier bebe vor


