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IV. Der Chevalier als Arankenwärter.
Der Arzt ſchrieb dieſe Aufregung des Chevalier ſeiner Freude über die Nachricht zu, daß Ausſicht auf Rettung der Patientin vorhanden ſei.
Er ließ ihn ſein Gebet vollenden und ſeine Au⸗ gen trocknen; dann aber glaubte er dieſes geſtei⸗ gerte Gefühl zum Vortheil des armen Mädchens ausbeuten zu müſſen und ſagte:
„Und nun, Chevalier, was werden wir aus die⸗ ſem Kind machen? denn in dieſer verpeſteten Spe⸗ lunke kann ſie unmöglich bleiben. Soll ich ſie ins Spital bringen laſſen?“
„Ins Spital!“ rief der Chevalier im Tone der Entrüſtung.
„Nun ja, dort iſt ſie unendlich beſſer aufgeho⸗ ben als hier. Ich will Ihnen keine Lection hal⸗ ten, Chevalier, aber Sie werden mir doch erlauben Ihnen mein tiefes Erſtaunen darüber auszudrücken, daß Sie ein Mädchen, dem Sie dieſen Ring an den Finger geſteckt, in einer ſo erbärmlichen Höhle ge⸗ laſſen haben, beſonders in einem Augenblick, wo die⸗ ſes Quartier durch die Krankheit decimirt wird.“
„Ich will ſie in meine Wohnung bringen laſ⸗ ſen, Doctor.“
„Das laß ich mir gefallen, das iſt eine gute Regung; ſie kommt freilich etwas ſpät, aber, wie das Sprichwort ſagt, beſſer ſpät als nie. Die gu⸗ ten Seelen von Chartres werden allerdings ein wenig ſchreien, aber ich für meine Perſon, Cheva⸗


