Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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ließ ſeine großen, gelben, ganz feuchten Augenſterne mit ſolchem Ausdruck ſtrahlen, daß der Spiegel des Herzens, welchen man bei den Hunden wie bei den Menſchen Auge nennt, ganz klar und deutlich zu dem Chevalier de la Graverie ſagte:

Bitte, Herr, ſeien Sie barmherzig!

Und dieß mit einem ſo demüthigen, ſo kläglichen Ton, daß der Chevalier ſich bis auf den Grund der Seele gerührt fühlte und ſeine Stirne entrunzelte; dann ſtöberte er in derſelben Taſche, in welche der Wachtelhund ſeine ſpitzige Schnauze einzuführen verſucht hatte, und zog eines der Stückchen Zucker heraus, welche die Lüſternheit des Diebes angeregt.

Der Hund empfing es mit allem erdenklichen Zartgefühl. Wer ihn ſeinen Schlund öffnen ſah, um dieſes leckere Almoſen hineinfallen zu laſſen, der würde nie geglaubt haben, daß ein ſchlechter Gedanke, ein Diebſtahlsgedanke in dieſes ehrliche Hirn gekommen ſei; vielleicht würde ein Beobachter einen etwas erkenntlicheren Ausdruck der Phyſiogno⸗ mie gewünſcht haben, während der Zucker zwiſchen den weißen Zähnen des Thieres krachte, allein die Gefräßigkeit, die eine der ſieben Todſünden iſt, bil⸗

dete einen Theil der liebenswürdigen Laſter des

Chevalier, der ſie als eine jener Schwachheiten be⸗ trachtete, welche den geſellſchaftlichen Beziehungen Zauber verleihen. So kam es, daß er, ſtatt dem Hund den mehr ſinnlichen als dankbaren Ausdruck ſeiner Phyſiognomie zu verübeln, mit wahrhafter und beinahe neidiſcher Bewunderung die Zeichen beobachtete, wodurch das Thier ſein paſtronomiſches Hochgefühl zu erkennen gab.