Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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große Kathedrale beherrſchten, flammten unter einem warmen Strahl, welcher dem Himmel Italiens ab⸗ geborgt ſchien; die geringſten Details ihrer feinen Auszackungen verkündeten ſich durch die Kraft der Schatten, und die Blätter der Bäume am Eure⸗ ron ſchillerten tauſendfach in Grün, Purpur und old. 4

Obſchon der Chevalier keineswegs der romanti⸗ ſchen Schule angehörte, obſchon es ihm niemals eingefallen war Lamartines poetiſche Betrach⸗ tungen oder Victor Hugos Herbſtblätter zu leſen, ſo hatten doch dieſe Sonne, dieſe Bewegung, dieſes Getöſe, dieſe Majeſtät der Landſchaft etwas Verzauberndes für ihn, und wie alle träge Geiſter wurde er, ſtatt die Scene zu beherrſchen, ſtatt nach ſeinem eigenen Gutdünken zu träumen und ſeiner Träumerei diejenige Richtung zu geben, die ihm am angenehmſten ſein konnte, bald von ihr abſor⸗

birt und verſank in jene intellectuelle Erſchlaffung, 4

während welcher der Gedanke das Hirn und die Seele den Körper zu verlaſſen ſcheint, wo man ſchaut ohne zu ſehen, horcht ohne zu hören, und wo die Menge der Träume, die auf einander folgen wie die farbigen Flächen des Kaleidoſcops und zwar ohne daß der Träumer die Kraft hat einen ſeiner Träume im Vorübergehen feſtzuhalten zuletzt eine Trunkenheit hervorbringt, die eine ent⸗ fernte Aehnlichkeit mit dem Rauſch der Opium⸗ raucher und der Haſchiſcheſſer darbietet. DerChevalier de la Graverie ließ ſich ſeit eini⸗ gen Minuten von dieſer Schlafſucht überwältigen, als er auf einmal durch eine höchſt poſitive Em⸗