Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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Wiſſen Sie, Chevalier, daß Sie auch in Ihrer Zeit ein hübſcher Offizier geweſen ſein müſſen?

Eine Vorausſetzung, die dem Chevalier de la Graverie um ſo angenehmer war, je mehr ſie aller und jeder Begründung ermangelte.

Die Gleichheit der Runzeln, welche nur als Vorſpiel fuͤr die große Gleichheit des Todes gelten kann, iſt der Troſt Derjenigen, die ſich über die Natur zu beklagen haben..

Nun hatte der Chevalier de la Graverie ganz und gar keine Urſache dieſe launiſche Natur ſehr zu loben, welche für die Einen eine gutherzige Amme, für die Andern eine launenhafte Stief⸗ mutter iſt.

Und dieß iſt, glaube ich, der Augenblick zu ſa⸗

gen, wie der Chevalier de la Graverie phyſiſch be⸗

ſchaffen war; ſeine moraliſchen Eigenſchaften werden ſich ſpäter entwickeln.

Er war ein kleines Männchen zwiſchen ſieben⸗ und achtundvierzig Jahren, fett wie die Weiber und die Eunuchen. Er hatte, wie wir bereits ge⸗ ſagt, gelbe Haare gehabt, die in ſeinen Signale⸗ ments gewöhnlich als blond eingetragen wurden; er beſaß noch jetzt große fayenceblaue Augen, deren gewöhnlicher Ausdruck Unruhe war, wenn nicht die Träumerei denn der Chevalier träumte zuweilen ihnen eine düſtere Starrheit gab; dabei lange, weiche, ſchlappe Ohren ohne Läppchen; ferner dicke ſinnliche Lippen, wovon die untere ein wenig nach

öſterreichiſcher Manier herabhing; ſein Teint endlich

war ſtellenweiſe geröthet und da, wo er nicht roth war, beinahe erdfahl.