Vierundfünfzigſtes Kapitel.
Vom Auftrag von Haftz, und wie er ihn vollzogen
Am Vorabend des Tages, wo Haſtz Dona Maria den Brief von Frankreich gebracht, fand ſich ein Hirte an den Thoren der Stadt ein und verlangte den edlen Herrn Mothril zu ſprechen.
Mothril, der eben ſein Gebet in der Moſchee ver⸗ richtete, verließ Alles, um dieſem ſeltſamen Boten zu folgen, der keinen ſehr hohen und mächtigen Geſandten verkündigen mußte.
Als Methril kaum mit ſeinem Führer die Stadt verlaſſen hatte, erblickte er auf einer Heide ein kleines andaluſiſches Pferd, das hier weidete, und, in dem ſpär⸗ lichen Gras unter Kieſelſteinen liegend, den Saracenen Haftz, der mit ſeinen großen Augen Alles beſpähte, was aus der Stadt kam.
Von Mothril bezahlt, war der Hirte wieder zu ſeinen magern Ziegen auf den Bergabhang zurückge⸗
laufen. Mothril, der erſte Miniſter, ſetzte ſich, jede 1
Etiquette vergeſſend, zu dem finſteren Knaben mit dem unbeweglichen Geſichte und ſagte:
„Gott ſei mit Dir, Hafiz! Du kommſt alſo zurück?“
„Ja, Herr, hier bin ich.“
„Und Du haſt Deinen Gefährten fern genug ge⸗ laſſen, daß er nichts vermuthet?“
„Sehr fern, Herr; er vermuthet ſicherlich nichts.“
Mothril kannte ſeinen Boten.... er wußte, wie ſehr der Milderungsausdruck ein allgemeines Bedürfniß für die Araber iſt, die es ſich zu einer Hauptaufgabe machen, es ſo lange als möglich zu vermeiden, das Wort todt auszuſprechen.


