27
„Und das Blut von Gildaz iſt um die Riſſe ver⸗ breitet.“
„Es iſt wahr! armer Gildaz!“
Und einen letzten Blick auf den Saracenen heftend, fand die junge Frau dieſen ſo ruhig, ſo einfältig, fand ſie ſo vollkommen ſtumm dieſe kindiſche Phyſiognomie, daß ſie keinen Verdacht behalten konnte.
„Erzähle mir das Ende, Hafiz.“
„Das Ende, Herrin, iſt, daß mir Gildaz kaum den Brief übergeben hatte, als er verſchied; ſogleich eilte ich von dannen, wie er es mir geſagt hatte, und arm, hungerig, aber ſtets rennend, bin ich angekommen, um Dir die Botſchaft zu bringen.“
„Oh! Du ſollſt gut belohnt werden, Kind,“ ſprach Dona Maria bis zu Thränen bewegt;„ja, Du ſollſt mich nicht verlaſſen, und wenn Du kreu biſt, wenn Du verſtändig biſt...“
Ein Blitz erſchien auf der Stirne des Mauren, ein Plih⸗ der ebenſo ſchnell erloſch, als er ſich entzündet hatte.
Nun las Maria den uns bekannten Brief, verglich die Data und ſagte, ſich dem natürlichen Ungeſtüm ihres Charakters hingebend, zu ſich ſelbſt:
„Auf! auf zum Werke.“
Sie ſchenkte dem Saracenen eine Handvoll Gold und ſprach zu ihm:
„Nuhe aus, guter Hafiz, und in einigen Tagen halte Dich bereit; ich werde mich Deiner bedienen.“
Der junge Menſch ging ſtrahlend weg; er berührte, ſein Gold und ſeine Freude mit ſich nehmend, die Schwelle, als die Seufzer der Amme ſtärker hervor⸗ brachen. Sie hatte die unſelige Kunde vernommen.


