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„Nein, gewiß nicht, und ich fürchte nur für Dich.“
„Du fürchteſt für mich, weil Du mich ſehr liebſt?“ ſagte Aiſſa mit einem reizenden Lächeln.
„Aiſſa, ich habe die Frauen meines Landes, wo doch die Frauen ſo ſchön ſind, nie geliebt, und oft wunderte ich mich über dieſe Gleichgültigkeit, doch ich weiß nun, warum. Es war ſo, damit der Schatz mei⸗ nes Herzens ganz Dir gehöre. Du fragſt, ob ich Dich liebe, Aiſſa; höre und beurtheile meine Liebe. Ver⸗ langteſt Du von mir, daß ich Alles Deinetwegen ver⸗ laſſe, Alles Deinet wegen verleugne, meine Ehre aus⸗ genommen, Aiſſa, ich würde Dir dieſes Opfer bringen.“
„Und ich,“ ſprach das Maädchen mit einem göttli⸗ chen Lächeln,„ich würde noch mehr thun, ich würde Dir meinen Gott und meine Ehre opfern.“
Agenor kannte noch nicht dieſe glühende Poeſie der orientaliſchen Leidenſchaft und begriff ſie erſt, als er das Lächeln von Aiſſa erſchaute.
„Wohl,“ ſprach er, indem er ſie mit ſeinen Armen umſchlang,„ich will nicht, daß Du mir Deinen Gott und Deine Ehre opferſt, ohne daß ich mein Leben mit dem Deinigen verknüpfe. In meinem Lande, Aiſſa, werden die Frauen, die man liebt, Freundinnen, bei denen man lebt und ſtirbt, und die, wenn ſie unſern Treuſchwur erhalten haben, ſicher ſind, nie in einem Harem verlaſſen zu werden, um hier den neuen Gelieb⸗ tinnen desjenigen, welchen ſie geliebt, zu dienen. Werde Chriſtin, Aiſſa, verlaſſe Mothril, und Du ſollſt meine Frau ſein.“
„Ich wollte Dich darum bitten,“ ſprach das Mädchen.
Agenor ſtand auf und hob, während er aufſtand, zugleich ſeine Geliebte in ſeine nervigen Arme, und das Herz ſchlagend an ihrem Herzen, das Geſicht ſanft geliebkoſt von ihren friſchen, duftenden Haaren, die Freude im Gemüth, die Trunkenheit auf der Stirne,


