Teil eines Werkes 
5.-8. Bdchn (1848)
Entstehung
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Iſt er denn böſe oder ſtreng gegen Dich?

Im Gegentheil; eine Königin iſt nicht beſſer be⸗ dient, als ich es bin. Jeder von meinen Wünſchen iſt ein Befehl. Ich brauche nur ein Zeichen zu machen, und man gehorcht mir. Alle ſeine Gedanken ſcheinen ſich auf mich zu beziehen, ſeine ganze Zukunft ſcheint auf mir zu beruhen. Ich weiß nicht, welche Pläne er auf meinen Kopf gebaut hat, doch zuweilen erſchrecke ich vor dieſer düſteren, eiferſüchtigen Zärtlichkeit.

Du liebſt ihn alſo nicht, wie eine Tochter ihren Vater lieben ſoll?

Ich habe bange vor ihm, Agenor. Höre: zuweilen tritt er bei Nacht in mein Zimmer wie ein Geiſt, und ich zittere. Er nähert ſich dem Bett, auf dem ich ruhe, und ſein Tritt iſt ſo leicht, daß er nicht einmal meine auf den Matten entſchlummerte Frauen aufweckt, unter denen er hingeht, als ob ſeine Füße die Erde nicht berührten. Doch ich, ich ſchlafe nicht, und hinter meinen Augenlidern hervor, die der Schrecken blinzeln macht, ſehe ich ſein furchtbares Lächeln. Er nähert ſich ſodann, er bückt ſich über mein Bett. Sein Hauch verzehrt mein Geſicht, und der Kuß, ein ſeltſamer Kuß, halb der eines Vaters, halb der eines Liebhabers, der Kuß, durch den er meinen Schlaf zu beſchirmen glaubt, läßt auf meiner Stirne, oder auf meiner Lippe einen ſchmerzlichen Eindruck, wie der eines glühenden Eiſens, zurück. Das ſind die Viſtonen, die mich belagern, Vi⸗ ſionen voll Wirklichkeit. Das ſind die Befürchtungen, mit denen ich jede Nacht entſchlafe, und dennoch ſagt mir etwas, daß ich Unrecht habe, zu zittern, denn ich wiederhole Dir, ſchlafend oder wachend, übe ich eine

ſeltſame Herrſchaft über ihn; oft habe ich ihn beben ſehen, wenn ich die Stirne faltete, und nie konnte ſein ſo durchdringendes, ſo ſtolzes Auge das Feuer meines Blickes ertragen. Doch warum ſprichſt Du mir von Mothril, mein braver Ritter? D haſt keine Furcht vor ihm, Du haſt vor nichts Furcht?