240
nes Bruders, die Ermordung einer Frau kamen ihnen als etwas unregelmäßige Akte vor, doch nicht als Ver⸗ brechen, welche zu rächen man fünfundzwanzigtauſend ehrliche Leute beunruhigt. Dugueseclin bemerkte, daß ſeine Sache ein wenig verloren hatte, doch er ließ ſich nicht entmuthigen und fuhr fort:
„Seht, meine Herren, ob ſich je ein Kreuzzug glorreicher und beſonders nützlicher gezeigt hat. Ihr kennt Spanien, Einige von Euch haben es durchwan⸗ dert, Alle haben davon ſprechen hören. Spanien, das Land der Silberminen; Spanien mit den mit arabiſchen Koſtbarkeiten gepflaſterten Paläſten; Spanien, wo die Mauren und Sarazenen die der halben Welt geraub⸗ ten Schätze begraben haben; Spanien, wo die Frauen ſo ſchön ſind, daß König Roderich für eine einzige Frau ſein Reich verloren hat. Nun wohl, dahin werde ich Euch führen, meine edle Herren, wenn Ihr mir folgen wollt, denn dahin gehe ich mit einigen von meinen gu⸗ ten Freunden, die ich unter den beſten Lanzen Frank⸗ reichs auserwählt habe: dahin gehe ich, um zu erfah⸗ ren, ob die Ritter des Königs Don Pedro ſo feig find, als ihr Herr, und zu probiren, ob die Härtung ihrer Schwerter ſo viel werth iſt, als die Härtung unſerer Aexte. Es iſt eine ſchöne Reiſe, meine Herren Kapi⸗ täne, ſolltet Ihr dabei ſein?“
Der Connetable endigte ſeine Rede durch eine von jenen treuherzigen Geberden, welche beinahe immer die überlegenden Geſellſchaften fortreißen. Hugo von Ca⸗ verley, der während der ganzen Rede ſo aufgeregt ge⸗ ſchienen hatte, als ob der Dämon der Kämpfe ſein Schlachtroß unter ihm geſtachelt hätte, durchlief den Kreis, fragte Jeden um ſeine Meinung, und bald beeilte ſich Jeder, zu ihm herantretend, ihm die ſeinige zu
geben; dann kehrte er zu Bertrand Dugueselin zurück, der, während ihn die Soldaten mit den Augen ver⸗
ſchlangen, ruhig mit Agenor und mit Enrique von Transtamare plauderte, deſſen Herz ſeit dem Anfang
—


