Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Ein Ritter, von deſſen Gegenwart ſie nichts wußten, kniete vor dem Kreuze, in einen weiten Mantel gehüllt, der durch die Steife ſeiner Falten unter ſeiner Draperie eine völlige Rüſtung verrieth. Sein Kopf allein blieb entblößt, und ſein Helm lag auf dem Boden, während zehn Schritte rückwärts, ebenfalls durch den Felſen be⸗ deckt, ein Schildknappe in kriegeriſcher Rüſtung auf einem Schlachtroſſe ſaß und an ſeiner Hand das wie für den Kampf geſchirrte Pferd ſeines Herrn hielt.

Es war ein Mann in der vollen Kraft des Alters, nämlich ſechsundvierzig bis achtundvierzig Jahre alt, mit der gebräunten Geſichtsfarbe eines Mauren, mit dichtem Haupthaare und dichtem Barte. Haare und Bart waren von der Farbe eines Rabenflügels.

Die zwei Reiſenden blieben einen Augenblick ſtehen und betrachteten dieſen Mann, der, unbeweglich und einer Bildſäule ähnlich, auf dem Grabe des Mongat die fromme Pflicht erfüllte, die ſie ſelbſt zu erfüllen kamen.

Der unbekannte Rittersmann ſchien ſeinerſeits, ſo lange das Gebet dauerte, den Ankömmlingen keine Aufmerkſamkeit zu ſchenken; als aber ſein Gebet ver⸗ richtet war, machte er mit der linken Hand, zum großen Erſtaunen der Anweſenden, das Zeichen des Kreuzes, grüßte ſie höflich mit dem Kopf, drückte, immer in ſeinen Mantel gehüllt, ſeinen Helm auf ſeine gebräunte Stirne, ſtieg wieder zu Pferde, wandte ſich um die Ecke des Felſen, gefolgt von ſeinem Schildknappen, der noch ſteifer und ſchwärzer war, als er, und entfernte ſich.

Obgleich man in jener Zeit viele ſolche Geſichter traf, hatte dieſes doch einen ſo eigenthümlichen Cha⸗ rakter, daß es den Reiſenden aufſiel, jedoch nur innerlich; denn die Zeit fing an zu drängen, man hatte noch drei Stunden zurückzulegen, und der Geiſtliche hatte ſich an⸗ heiſchig gemacht, auf dem Grabe des Mongat ein Pater⸗ noſter, ein Ave Maria, ein De profundis et Fi⸗ delium, zu ſprechen.

Nach beendigtem Gebet ſchaute Meſſire Jehan um⸗