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heute dieſes Thier fing, daß der Reiher der feigeſte Vogel ſey, weil er ſich vor ſeinem Schatten fürchtet, und wenn er in der Sonn⸗ ihn an ſeiner Seite ziehen ſieht, ſchreit und weint, als ſchwebte er in Lebensgefahr; dann dachte ich, daß der Feigeſte der Vögel dem Feige⸗ ſten der Könige ſollte aufgetiſcht werden!“ Eduard fuhr mit der Hand nach ſeinem Dolche. „Iſt nun,“ fuhr Robert fort, ohne daß er dieſe Geberde zu bemerken ſchien,„der Feigeſte der Könige nicht Eduard von England, durch ſeine Mutter Iſabella Erbe des Königreiches Frankreich, und der doch nicht den Muth beſitzt, es dem Könige Philipp von Valois wieder zu nehmen, der es ihm geſtohlen hat?“ Eine ſchreckliche Stille folgte dieſen Worten. Je⸗ der war aufgeſtanden, die Heftigkeit des Königes ken⸗ nend, und alle Blicke waren auf dieſe beiden Männer geheftet, von denen der Eine dem Andern ſo höchſt be⸗ leidigende Worte geſagt hatte. Alle Erwartungen wur⸗ den jedoch getäuſcht: Eduards Geſicht nahm nach und nach wieder den Anſchein von Ruhe an; er ſchüttelte den Kopf, wie um von ſeinen Wangen die Röthe zu ſtieben, die ſie bedeckte; dann legte er langſam ſeine Hand auf Robert's Schulter, und ſagte mit dumpfer Stimme zu ihm:„Ihr habt Recht, Graf; ich vergaß, daß ich ein Enkel Karls IV. von Frankreich ſey; Ihr erinnert mich daran, ich danke; und obwohl der Be⸗ weggrund Eures Thuns eher aus Eurem Haſſe gegen Philipp entſpringt, der Euch verbannt hat, als aus Eurer Dankbarkeit gegen mich, der ich Euch aufnahm, ſo bin ich Euch deßhalb nicht weniger verbunden; denn
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