Geiſte, einem ſo zartfühlenden Herzen, wie dem Ihrigen gegenüber denn noch deutlicher ausſprechen? Was bin ich? Maitreſſe des Königs!— ich, die Tochter eines alten Hauſes, auf deren Ruf kein Makel haftete! Mai⸗ treſſe des Königs— eine Stellung, Sire, die mich ſtolz machen ſollte, und die mich nur entehrt. O, wenn Sie wüßten, wie das Volk mich nennt!
— Das Volk betet Sie an, um Ihrer Schönheit, Ihrer Liebenswürdigkeit und Herzensgüte willen.
— Nein, Sire, das Volk haßt, es verachtet mich, weil ich eine Stelle einnehme, auf der es lieber eine le⸗ gitime Gemahlin ſähe, die Ihnen Dauphins und Prin⸗ zeſſinnen ſchenkte. Das Volk verheirathet ſich, Sire, und hegt noch Achtung vor der Heiligkeit der Ehe!
— Ach, wenn Sie mir dieſen Vorwurf machen, ſprach Heinrich niedergeſchlagen, wenn meine ſanfte Ga⸗ briele wegen Dingen mit mir grollt, über die wir längſt übereingekommen—
— Das wolle Gott verhüten, Sire! Ich flehe Sie an, verſtehen Sie mich nicht falſch!— Bin ich ehrgeizig? bin ich habgierig? habe ich mich jemals in die Ange⸗ legenheiten Ihrer Regierung gemiſcht? habe ich jemals darnach geſtrebt, Aemter und Würden zu vergeben? hal⸗ ten Sie mich für eitel und thöricht genug, meine Nie⸗ drigkeit zu vergeſſen? Beurtheilen Sie mich beſſer, Sire; ich habe ja nur Ihre gute Meinung von mir, um mich über die ſchlechte Anderer zu tröſten; laſſen Sie mir wenigſtens Gerechtigkeit wiederfahren, und nennen Sie


