— Unſchuldig! rief der Herzog von Feria, vor Zorn erbleichend. Wer hat das geſagt?
— Ich! antwortete der Mann, der dieſe Worte ge⸗ ſprochen hatte und deſſen reinliche und ſorgfältig angelegte ſchwarze Kleidung eine Magiſtratsperſon verrieth, ich, der Schöffe dieſer Stadt! Ich, Langlois!
— Langlois, Langlois! wiederholte das Volk, indem es ſich um ſeinen Schöffen gruppirte, deſſen Ruhe und Kaltblütigkeit, gegenüber dem wüthenden Spanier, jene Erhabenheit und Bedeutung hatte, die in kritiſchen Mo⸗ menten ſtets das Volk ergreift.
— Unſchuldig! wiederholte der Herzog. Iſt der Mann unſchuldig, der Verſprechungen des Bearners ausſtreut?
— Was für Verſprechungen? fragte Briſſac gut⸗ müthig. Man muß völlig klar ſehen in einer ſo wich⸗ tigen Sache.
Der Herzog holte raſch ein gedrucktes Billet aus ſei⸗ nem Aermel hervor und gab es Briſſac, indem er ſagte:
— Leſen Sie!
Der Graf, umgeben von einer unzähligen Menge, über die der Reiter hoch emporragte, und die ein ſo tiefes Schweigen beobachtete, daß man das Jammern des Ver⸗ urtheilten hören konnte, der am Fuße des Galgens kniete — der Graf entfaltete das Papier und las mit lauter, vernehmlicher Stimme:
„Manifeſt des Königs.
„Seine Majeſtät, von dem Wunſche beſeelt, if ſeine
Unterthanen in Freundſchaft nnd Einigkeit leben zu laſſen,


