auf den Hut, als die, welche Herr von Vintimille im Be⸗ griffe ſtand, zu erlangen. Man verſprach zwei Mal Hun⸗ derttauſend Livres Mitgift und die Stelle als Palaſtdame für die Zukünftige, ſechs Tauſend Livres Jahrgehalt und eine Wohnung in Verſailles für den Gatten. Man ſagte weder ja, noch nein in Bezug auf den Kardinalshut, und der Erzbiſchof ließ es nicht allein geſchehen, ſondern ſegnete ſelbſt die Ehe ſeines Neffen ein.
Aber es war nicht Alles, Mademoiſelle von Nesle einen untergeſchobenen Gatten zu geben, man mußte am Abend der Hochzeit ſelbſt ſich das Vergnügen gewähren, ihn zu erſetzen. Die Sachen wurden auf folgende Weiſe eingerichtet: Mademoiſelle, eine gefällige Prinzeſſin, lieh ihren Pallaſt von Madrid den jungen Eheleuten; der König ging ſeiner Seits mit Mademoiſelle von Clermont und den Damen von Chalais und von Talleyrand nach La Muette, um dort zu Nacht zu eſſen. Dann, als man vermuthete, daß das Hochzeitsmahl beendigt wäre, ſchlug der König einen Beſuch im Hotel Madrid vor; man ſtieg zu Wagen und kam in Madrid an; Alles war dort in der beſten Ordnung, und ſchien ſich dort in den vollſtän⸗ digſten ehelichen Bedingungen zutragen zu ſollen. Der König ſetzte ſich an's Spiel, und ſpielte bis um Mitternacht Cavagnole; um Mitternacht ſprach man davon, die Verhei⸗ ratheten zu Bett gehen zu laſſen, aber der König erklärte, bis an's Ende liebreich ſein zu wollen; er begleitete dem zu Folge die Gatten in das Schlafzimmer und reichte Vintimille das Hemd, was eine der größten Ehrenbezeu⸗ gungen war, welche der König erweiſen konnte; von dieſem Ludwig der Fünfzehnte. 2. Band. 2


