Teil eines Werkes 
2. Bd. (1850)
Entstehung
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ſchilderten; ſie ließ die arme Klausnerin zu ſich kommen. Mademoiſelle von Nesle richtete alle ihre Batterien. Lud⸗ wig XV., der ſich mit dreißig Jahren langweilte, wie ſich Ludwig XIV. mit ſiebenzig Jahren gelangweilt hatte, fand eine Zerſtreuung in dem Verſtande der Neugekommenen, und als Frau von Mallly die Pläne ihrer Schweſter gewahr wurde, war es bereits zu ſpät, um ſich ihnen widerſetzen zu können.

Nun faßte Frau von Mailly den Entſchluß, der Liebe des Königs beizuſtehen, ſtatt ſie zu bekämpfen; außerdem liebte ſie den König ſo ſehr, daß ſie es vorzog, ihn zur Hälfte zu beſitzen, als ihn gänzlich zu verlieren. Außerdem hoffte Frau von Mailly, daß dieſe Gefälligkeit unbekannt bleiben würde, aber das war nicht der Zweck der Made⸗ moiſelle von Nesle; ſie ſpielte ihre Rolle ſo gut, daß der König einigen Hofleuten ſein Glück mittheilte, ſo daß nach Verlauf von drei Monaten das Geheimniß der armen Frau von Mailly das des ganzen Hofes war.

Nur handelte es ſich, da die Sache bekannt war, darum, Mademoiſelle von Nesle zu verheirathen; der Kö⸗ nig war ſehr fruchtbar, und es konnte ſich ein Zufall er⸗ eignen, der alle Welt in Verlegenheit geſetzt hätte; man ſuchte daher für die neue Favoritin einen Gatten.

Man warf die Augen auf Herrn von Vintimille, dem Sohne eines Neffen des Erzbiſchofes von Paris, denſelben, der eine wichtige Rolle in der Angelegenheit der Verzückten des Friedhofs des heiligen Medardus geſpielt hatte; der Onkel wollte Kardinal werden. Herr von Tencin war ſo eben ernannt worden, und hatte eben keine andern Rechte