Tod, den er fürchtete; eine einzige Sache konnte Ludwig XV. wieder beleben, der alle Veränderungen, ausgenommen eine einzige, abgenutzt hatte, den Wechſel in der Liebe.
Auch dieſen werden wir ihn, wie die andern, erſchöpfen ſehen.
Unter den vier Schweſtern der Frau von Mailly be⸗ fand ſich eine, welche nach einem ſonderbaren Rufe ſtrebte; er beſtand darin, die Gunſtbezeugungen des Königs mit ihrer Schweſter zu theilen, ſich des Herzens Ludwigs XV., dann ſeines Geiſtes zu bemächtigen und dazu zu gelangen, den erſten Miniſter zu ſtürzen und Frankreich zu regieren.
Dieſe Schweſter, welche noch nicht verheirathet war, war Mademoiſelle von Nesle, ſie hatte ihr dreiundzwan⸗ zigſtes Jahr begonnen und bewohnte die Abtei Port⸗Royal.
Sie war indeſſen nicht hübſch; ſie täuſchte ſich nicht über ihr Geſicht und wußte, daß der König die häßlichen Frauen nicht leiden könnte; aber ſie hatte Erfindungsgabe, einen abenteuerlichen und kühnen Charakter, und dadurch, daß ſie beſtändig wünſchte, war ſie dazu gelangt, zu glauben.
Sie ſchrieb daher auch an eine ihr befreundete Stifts⸗ dame, Namens Frau von Dray:
„Ich werde meiner Schweſter von Mailly Brief auf Brief ſenden, ſie iſt gutmüthig, ſie wird mich zu ſich be⸗ rufen. Ich werde mich von dem Könige lieben laſſen, ich
werde Fleurhy fortſchicken und Frankreich regieren.“
Alles gelang anfangs den Wünſchen der Mademoiſelle von Nesle gemäß. Frau von Mallly ließ ſich durch ihre Briefe ruͤhren, die ihr alle die Langeweile des Kloſters


