134
Terraſſe auf und ab, ohne ſich darum zu bekümmern, daß ſie ihre ſeltſame Aufregung die Zuſchauer ſehen ließ, welche ſie von unten mit den Augen verſchlangen.
„Wenn ich einen Eid thäte, ſagte fie.. wenn i auch bei meinem Sohne, bei meinem Gott ſchwüre!.. Ich habe einen Gott, wie Sie!... Nein, er glaubt mir nicht!... er würde mir nicht glauben!“
Charny neigte das Haupt.
„Wahnſinniger l“ fügte die Königin bei, indem ſie ihm voll Energie die Hand ſchüttele und ihn von der Terraſſe in ihr Zimmer zog.„Es iſt alſo eine ſehr ſeltene Wolluſt, die Wolluſt, eine unſchuldige, tadelloſe Frau anzuklagen; es iſt alſo ein machtiges Glück, das Glück, eine Königin zu entehren..: Glaubſt Du mir, wenn ich Dir ſage, daß nicht ich es bin, welche Du geſehen haſt, glaubſt Du, wenn ich auf Chriſtus ſchwöre, daß ich ſeit drei Tagen nach neun Uhr nicht mehr ausgegangen bin? Soll ich Dir durch meine Frauen, durch den König, der mich hier geſehen, beweiſen laſſen, daß ich nicht anderswo ſein konnte? Nein... er glaubt mir nicht! er glaubt mir nicht!“
„Ich habe geſehen!“ eerwiederte Charny kalt.
„Dh rief plötzlich die Königin,„ich weiß, ich
weiß! Iſt mir nicht ſchon dieſe grauſame Verleum⸗ dung in’'s Geſicht geſchleudert worden? Hat man mich nicht auf dem Ball der Oper, dem Hofe ein Aerger⸗ niß bereitend, geſehen? Hat man mich nicht bei Mesmer in Ertaſe, den Neugierigen und den Freuden⸗
mädchen ein Aergerniß gebend, geſehen?... Sie
wiſſen es wohl, Sie, der Sie ſich für mich geſchlagen haben?“
„Madanme, zu jener Zeit habe ich mich geſchlagen, weil ich nicht daran glaubte. Heute würde ich mi
ren Arme zum Himmel empor, zwei brennende Thrä⸗ nen rollten von ihren Wangen auf ihren Buſen!
—☚


