Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Zweite Abteilung, Das Halsband der Königin : 10. und 11. Bändchen (1850) Mémoires d'un médecin
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Sie, mein

135

Mein Gott, ſprach ſte,ſchicke mir einen Ge⸗ danken, der mich rettet. Dieſer hier ſoll mich nicht verachten, o mein Gott!

Charny fühlte ſich bis in den Grund des Herzens durch dieſes einfache und kräftige Gebet gerührt. Er verbarg ſeine Augen in ſeine beiden Hände.

Die Königin dachte einen Augenblick ſtillſchweigend nach, dann ſprach ſie:

Mein Herr, Sie ſind mir eine Genugthuung ſchuldig. Vernehmen Sie die, welche ich von Ihnen fordere: Drei Nächte hinter einander haben Sie mich in meinem Park in Geſellſchaft eines Mannes geſehen. Sie wußten jedoch, daß man ſchon Mißbrauch von der Aehnlichkeit gemacht, welche irgend eine Frau im Ge⸗ ſicht und im Gang mit mir, der unglücklichen Königin, hat; doch da Sie lieber glauben wollen, ich ſei es, welche in der Nacht herumlaufe, da Sie ſagen werden, ich ſei es, ſo kehren Sie in den Park zu derſelben Stunde zurück, kehren Sie mit mir dahin zurück. Bin ich es, die Sie geſtern geſehen, ſo werden Sie mich nothwendig heute nicht mehr ſehen, da ich bei Ihnen ſein werde. Iſt es eine Andere, warum ſollten wir ſte

mit einander nicht wiederſehen? Und wenn wir ſie

ſehen... Ah! mein Herr! wie werden Sie bedauern, was Sie mich Alles ſo eben leiden gemacht haben 234

Charny preßte ſein Herz mit beiden Händen und erwiederte:

Sie thun zu viel für mich, Madame; ich ver⸗ diene den Tod; ſchmettern Sie mich nicht durch Ihre Güte nieder. B

Oh! ich werde Sie mit Beweiſen niederſchmet⸗

tern, ſagte die Königin,nicht ein Wort zu irgend

Jemand. Dieſen Abend um zehn Uhr; erwarten Sie vor der Thüre der Jägermeiſterei, was ich, um Sie zu überzeugen, beſchloſſen haben werde. Gehen

derd. und laſſen Sie außen nichts ſichtbar werden.