Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Zweite Abteilung, Das Halsband der Königin : 10. und 11. Bändchen (1850) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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3 ſeines eigenen Schmerzes in's Leben zurückge⸗ rufen.

Er erhob ſich ſtrauchelnd, erkannte die Oertlich⸗ keit, ſeine Lage, erinnerte ſich und ſuchte.

Die Schildwache war verſchwunden, kein Geräuſch machte ſich hörbar. Es ſchlug zwei Uhr auf einem Kirchthurme von Verſailles, und dies belehrte ihn, daß ſeine Ohnmacht lange gedauert habe.

Ohne allen Zweifel hatte die gräßliche Viſion ver⸗ ſchwinden müſſen: Königin, Liebhaber, Begleiterin hatten Zeit gehabt, zu fliehen. Charny konnte ſich hievon überzeugen, indem er über die Mauer ſchaute und die friſchen Spuren des Abgangs eines Reiters erblickte.

Dieſe Spuren und die Brüche einiger Zweige in der Umgegend der Apollo⸗Bäͤder bildeten die ganze Ueberführung des armen Charny.

Die Nacht war ein langes Delirium. Am Mor⸗ gen hatte er ſich nicht beruhigt.

Bleich wie ein Todter, um zehn Jahre gealtert, rief er ſeinen Kammerdiener und ließ ſich in ſchwar⸗

zen Sammet kleiden, wie ein Reicher vom Bürgerſtand.

Düſter, ſtumm, alle ſeine Schmerzen verſchlingend, ging er nach dem Schloſſe Trianon in dem Augenblick, wo die Wache abgelöſt worden war, daß heißt gegen zehn Uhr.

Die Königin trat aus der Kapelle, wo ſie die Meſſe gehört hatte.

Auf ihrem Wege neigten ſich ehrfurchtsvoll die Köpfe und die Degen.

Charny ſah einige Frauen roth vor Aerger, weil ſie fanden, daß die Königin ſchön war.

Schön, in der That, mit ihren ſchönen auf den Schläfen emporgehaltenen Haaren, ihrem Geſichte mit den zarten Zügen, ihrem lächelnden Munde, ihren er⸗ müdeten, aber von einer ſanften Klarheit glänzenden Augen.