———
— NR N
—
——
123
Charny fühlte einen eiſigen Schweiß,— den To⸗ desſchweiß, langſam in ſchweren Tropfen von ſeinen Schläfen herabfließen.
Der Unbekannte hatte die beiden Hände der Königin gegen ſich ausſtrecken ſehen. Er nahm ſie in die ſei⸗ nigen und drückte einen ſo langen und zärtlichen Kuß darauf, daß Charny während ſeiner Dauer den Schmerz aller Martern kennen lernte, welche die wilde Menſch⸗ heit den hölliſchen Barbareien geſtohlen hat.
Als dieſer Kuß gegeben war, erhob ſich die Köni⸗ gin raſch und ergriff den Arm ihrer Gefährtin.
Beide entflohen, wie am Tage vorher, an Charny vorüber.
Der uUnbekannte entfloh ebenfalls, und Charny, der den Boden nicht hatte verlaſſen können, an den ihn die Whung eines unſäglichen Schmerzes gefeſſebt hielt, vernahm unbeſtimmt das gleichzeitige Geräuſch zweier Thuren, die man wieder ſchloß.
Wir werden es nicht verſuchen, die Lage zu ſchil⸗ dern, in der ſich Charny nach dieſer gräßlichen Ent⸗ deckung befand.
Die Nacht verging für ihn in wüthenden Gängen durch den Park, durch die Alleen, denen er in Ver⸗ zweiflung ihre ſtrafbare Mitſchuld zum Vorwurf machte.
Einige Stunden lang wahnſinnig, fand Charny ſeine Vernunft erſt wieder, als er in ſeinem blinden Lauf an den Degen ſtieß, den er weggeworfen hatte, um nicht in Verſuchung zu gerathen, ſich deſſelben zu bedienen.
Dieſe Klinge, die ihm zwiſchen die Beine kam und ſeinen Fall verurſachte, rief ihn plötzlich zum Gefühl ſeiner Stärke, wie zu dem ſeiner Würde zurück. Ein Mann, der einen Degen in ſeiner Fauſt fühlt, kann nur, wenn er noch wahnwitzig iſt, ſich damit durchbohren, oder den durchbohren, welcher ihn belei⸗ digt hat; er hat weder mehr das Recht, ſchwach zu ſein, noch das, Furcht zu haben.


