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Warum hatte er verborgen gewartet? Warum hatte ihn die Königin durch ihre Begleiterin holen laſſen, ſtatt ſelbſt zu ihm zu gehen?
Charny hätte beinahe den Kopf verloren. Er erinnerte ſich indeſſen, daß ſich die Königin mit geheim⸗ nißvoller Politik beſchäftigte, daß ſie oft Intriguen mit den deutſchen Höfen anknüpfte, Verbindungen, auf welche der König eiferſüchtig war und die er ſtrenge verbot.
Vielleicht war dieſer myſteriöſe Cavalier ein Cour⸗ rier aus Berlin oder Schönbrunn, ein adeliger Herr, der eine geheime Botſchaft überbrachte, eine von den deutſchen Figuren, wie Ludwig XVI. keine mehr in Verſailles ſehen wollte, ſeitdem der Kaiſer Joſeph II. in Frankreich einen Eurſus der Philoſophie und der kritiſchen Politik zum Nutzen ſeines Schwagers, des allerchriſtlichſten Koͤnigs zu machen ſich erlaubt hatte.
Der Eisbinde ähnlich, welche der Arzt auf eine vom Fieber glühende Stirne anwendet, erquickte dieſe Idee Olivier, den armen Olivier, gab ihm den Ver⸗ ſtand wieder und beſchwichtigte das Delirium ſeines erſten Zornes. Die Königin beobachtete übrigens eine Haltung voll Anſtand und ſogar voll Würde.
Drei Schritte entfernt ſtehend, unruhig, aufmerk⸗ ſam, lauernd, wie die Freundinnen oder die Duennen bei den Partien von zwei männlichen und zwei weib⸗ lichen Perſonen von Watteau, ſtörte die Begleiterin durch ihre dienſteifrige Angſt Herrn von Charny in ſeinem ganz keuſchen Viſiren. Doch es iſt ebenſo ge⸗ fährlich, bei politiſchen Rendezvous ertappt zu werden, als es beſchämens iſt, bei Liebesrendezvous ertappt zu werden. Und nichts gleicht mehr einem Verliebten, als ein Verſchwörer. Beide haben denſelben Mantel, dieſelbe Empfindlichkeit des Ohrs, dieſelbe Unſicherheit der Beine.
Charny hatte nicht viel Zeit, dieſen Betrachtungen nachzuhängen. Die Begleiterin verließ 5 Stellung
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