Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Zweite Abteilung, Das Halsband der Königin : 10. und 11. Bändchen (1850) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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zwei Stunden, während welcher Geheimniſſe, Küſſe, Entwürfe für die Zukunft ohne Unterlaß zwiſchen den zwei Gefährtinnen ausgetauſcht wurden.

Jeanne rieth zuerſt Oliva, nach Hauſe zurück⸗ zukehren, um keinen Verdacht bei ihrem Beſchützer zu erregen. Sie hatte erfahren, daß dieſer Beſchützer Caglioſtro war. Sie fürchtete den erhabenen Geiſt dieſes Mannes und ſah nur Sicherheit für ihre Pläne im tiefſten Geheimniß.

Oliva hatte ſich ohne Rückhalt erſchloſſen; Beau⸗ ſire, die Polizei, ſie hatte Alles geſtanden.

Jeanne gab ſich für ein, ohne Wiſſen ſeiner Fa⸗ milie, mit einem Geliebten lebendes Fräulein aus.

Die Eine wußte Alles, die Andere wußte gar nichts: ſo war die beſchworene Freundſchaft zwiſchen dieſen zwei Frauen beſchaffen.

Von dieſem Tage an hatten ſie weder die Arm⸗ bruſt, noch den Faden mehr nöthig. Jeanne hatte ihren Schlüſſel. Sie ließ Oliva nach ihrer Laune herab⸗ kommen.—

Ein feines Abendbrod, eine geheime Spazierfahrt waren die Köder, an denen ſich Oliva immer fangen

ließ.

„Entdeckt Herr von Caglioſtro nichts?“ fragte Jeanne zuweilen ängſtlich.

„Er! in der That, wenn ich es ihm ſagte, er würde es mir nicht glauben wollen,“ erwiederte Oliva.

Acht Tage machten aus dieſen nächtlichen Ent⸗ weichungen eine Gewohnheit, ein Bedürfniß und mehr noch, ein Vergnügen. Nach Verlauf von acht Tagen fand ſich der Name von Jeanne noch viel öfter auf den Lippen von Oliva, als ſich je der von Gilbert und der von Beauſire darauf gefunden hatten.