Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Zweite Abteilung, Das Halsband der Königin : 10. und 11. Bändchen (1850) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Andrée fing an zu zittern, wie eine Schuldige; ſie verbeugte ſich vor der Königin und erwiederte:

Madame, ich bin durchdrungen von Ihrer Güte, aber ſie wird mich nicht von meinem Vorhaben abbrin⸗ gen. Ich habe beſchloſſen, den Hof zu verlaſſen. Es iſt für mich Bedürfniß, in die Einſamkeit zurückzukehren, ſetzen Sie mich nicht dem aus, daß ich meine Pflichten gegen Sie dadurch verrathe, daß ich mich gegen den Beruf verfehle, den ich in mir fühle.

Seit geſtern alſo?

Eure Majeſtät wolle mir nicht befehlen, über dieſen Gegenſtand zu ſprechen.

Seien Sie frei, ſprach die Königin mit Bitter⸗ keit;nur zeigte ich hinreichend Zutrauen zu Ihnen, daß Sie Vertrauen zu mir haben konnten. Doch ein Thor iſt der, welcher einen Menſchen, der nicht ſprechen will, um ein Wort fragt. Behalten Sie Ihre Geheim⸗ niſſe, mein Fräulein, ſeien Sie glücklicher in der Ferne, als Sie es hier geweſen ſind. Erinnern Sie ſich jedoch ſtets des Umſtandes, daß meine Freundſchaft die Leute trotz ihrer Launen nicht verläßt, und daß Sie nicht aufhören werden, für mich eine Freundin zu ſein. Nun gehen Sie, Andrée, gehen Sie, Sie ſind frei.

Andrée machte eine Hofverbeugung und entfernte ſich. An der Thüre rief ſie die Königin zurück.

Wohin gehen Sie, Andrée?

In die Abtei Saint⸗Denis, Madame, antwortete Fräulein von Taverney.

In's Kloſter! ah! es iſt gut, mein Fräulein, Sie haben ſich vielleicht nichts vorzuwerfen; doch hätten Sie nur die Undankbarkeit und die Vergeſſenheit... das iſt noch zu viel; Sie ſind ſehr ſtrafbar gegen mich; gehen Sie, Fräͤulein von Taverney, gehen Sie.

Folge hievon war, daß Andrée, ohne andere Erklä⸗ rungen zu geben, auf welche das gute Herz der Königin rechnete, ohne ſich zu demüthigen, ohne ſich rühren zu laſſen, die Erlaubniß der Königin raſch benützte und verſchwand.