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„Leben Sie wohl!“ rief die Königin.
„Madame! ohl verzeihen Sie mir!“
„Ich verzeihe Ihnen, Herr von Charny!“
„Madame, einen letzten Blick!“
„Herr von Charny,“ ſprach die Königin zitternd vor Aufregung und Zorn,„ſind Sie nicht der letzte der Menſchen, ſo werden Sie heute Abend, morgen todt oder vom Schloſſe abgereiſt ſein.“
Eine Königin bittet, wenn ſie in ſolchen Ausdrücken befiehlt. Charny faltete voll Trunkenheit die Hände und ſchleppte ſich auf den Knieen bis zu den Füßen von Marie Antoinette.
Dieſe hatte ſchon die Thüre geöffnet, um ſchneller der Gefahr zu entfliehen.
Andrée, deren Augen dieſe Thüre ſeit dem Anfang der Unterredung verſchlungen, ſah den jungen Mann niedergeworfen, die Königin ſchwankend; ſie ſah die Augen von jenem vor Stolz und Hoffnung glänzen, die Blicke von dieſer ſich erloſchen gegen den Boden ſenken.
Im Herzen getroffen, verzweiflungsvoll, ange⸗ ſchwollen von Haß und Verachtung, beugte ſte den Kopf nicht. Als ſie die Königin zurückkommen ſah, ſchien es ihr, Gott habe dieſer Frau zu viel gegeben, indem er ihr als Ueberfluß einen Thron und die Schönheit gegeben, da er ihr ſo eben nun auch dieſe halbe Stunde mit Herrn von Charny geſchenkt.
Der Doctor ſah zu viele Dinge, um eines zu be⸗ merken.
Ganz nun dem Erfolg der gepflogenen Unterhand⸗ lung entgegenharrend, begnügte er ſich, zu fragen:
„Nun, Madame?“
Die Königin brauchte eine Minute, um ſich zu erholen, und ihre durch die Schläge ihres Herzens er⸗ ſtickte Stimme wiederzuerlangen.
„Was wird er thun?“ wiederholte der Doctor.
„Er wird abreiſen,“ murmelte die Königin.


