9
Marie Antoinette vergaß alſo ſehr raſch den Ein⸗ druck, den Fräulein von Taverney vor der Thüre von Charny auf ſie gemacht hatte. Sie nahm Andrée bei der Hand, ließ ſie den Schluſſel dieſer Thüre umdrehen und drang mit einer außerordentlichen Schnelligkeit in das Zimmer des Kranken, während der Doctor mit Andrée außen blieb.
Kaum hatte dieſe die Königin verſchwinden ſehen, als ſie zum Himmel einen Blick voll Zorn und Schmerz erhob, einen Blick, deſſen Ausdruck einer wüthenden Verwünſchung glich.
Der gute Doctor nahm ihren Arm, durchſchritt mit ihr die Flur und ſagte:
„Glauben Sie, daß es ihr gelingen wird?“
„Gelingen? mein Gott! was?“ rief Andrée.
„Den armen Narren, der hier ſterben wird, wenn
ſein Fieber noch ein wenig fortdauert, anderswohin
bringen zu laſſen.“ f„Anderswo wird er alſo geneſen?“ fragte Andrée haſtig. Der Doctor ſchaute ſie erſtaunt, unruhig an und antwortete: „Ich glaube, ja.“
„Oh! dann möge es ihr gelingen!“ rief das arme Mädchen.
LIII. Wiedergeneſung. 3
Die Königin war indeſſen gerade auf den Lehnſtuhl von Charny zugegangen.
Dieſer erhob den Kopf beim Geräuſche der Pan⸗ toffeln, welche auf dem Boden krachten,


