Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Zweite Abteilung, Das Halsband der Königin : 10. und 11. Bändchen (1850) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Hier, wie Sie ſehen.

Allerdings, doch, wie hier?

Madame, erwiederte ſie,man hat mir geſagt, Eure Majeſtät laſſe mich ſuchen; ich bin gekommen.

Die Königin war nicht am Ende bei ihrem Miß⸗ trauen, ſie blieb beharrlich und fuhr fort:

Wie haben Sie es gemacht, um zu errathen, wohin ich ging?

Das war leicht, Madame; Sie waren mit dem Doctor Louis, und man hatte Sie durch die kleinen Gemächer gehen ſehen; von da an hatten Sie kein an⸗ deres Ziel, als dieſen Pavillon.

Gut errathen, erwiederte die Königin, immer noch unentſchieden, aber ohne Härte,gut errathen.

Andrée ſtrengte ſich gewaltig an und ſprach lächelnd:

Madame, wenn es die Abſicht Eurer Majeſtät war, ſich zu verbergen, ſo hätte ſie ſich nicht auf den unbedeckten Gallerieen zeigen müſſen, wie ſie es ſo eben gethan, um hierher zu kommen. Schreitet die Königin über die Terraſſe, ſo ſieht ſie Fräulein von Taverney von ihrer Wohnung aus, und es iſt nicht ſchwierig, Jemand zu folgen oder voranzugehen, den man von ferne geſehen hat.

Sie hat Recht, ſagte die Königin,und zwar

hundertmal Recht. Ich habe eine unglückliche Gewohn⸗ heit, welche darin beſteht, daß ich nie errathe; wenig nachdenkend, glaube ich nicht an die Reflexionen der Andern.

Die Königin fühlte, ſie würde vielleicht der Nach⸗ ſicht bedürfen, weil ſie der Vertrauten bedurfte.

Ihre Seele war überdies keine Zuſammenſetzung von Coquetterie und Mißtrauen, wie die der gewöhn⸗ lichen Weiber; ſie hatte Glauben in ihren Freundſchaf⸗ ten, denn ſie wußte, daß ſie lieben konnte. Die Frauen, welche ſich ſelbſt mißtrauen, mißtrauen noch viel mehr den Anderen. Ein großes Unglück, das die Coquetten beſtraft, iſt, daß ſte ſich nie von ihren Liebhabern geliebt glauben.