„Ich verſtehe Sie, Sie haben oſſenherzig geſprochen, Doctor. Die Frau, für welche Herr von Charny die Vernunft verloren hat, ſoll ihm dieſe Vernunft gut⸗ willig oder mit Gewalt zurückgeben.“
„Sehr gut, das iſt es.“
Sie ſoll den Muth haben, ihm ſeine Träume, das heißt, die nagende Schlange, zu entreißen, welche auf⸗ gerollt im tieſſten Grunde ſeines Herzens liegt.“
„Ja, Eure Majeſtät.“
„Laſſen Sie Jemand benachrichtigen; Fräulein von Taverney zum Beiſpiel.“
„Fräulein von Taverney?“ verſetzte der Doctor.
„Ja, Sie werden Alles einrichten, daß uns der Kranke auf eine geziemende Weiſe empfängt.“
„Das iſt geſchehen, Madame.“
Ohne irgend eine Schonung.“
„Es muß wohl ſein.“
„Aber, Doeter,“ murmelte die Königin,„es iſt trauriger, als Sie glauben, ſo das Leben oder den Tod eines Menſchen aufzuſuchen.“
„Das thue ich alle Tage, wenn ich eine unbekannte Krankheit anfaſſe. Werde ich ſie durch das Mittel an⸗ greifen, welches das Uebel tödtet, oder durch das Mittel, das den Kranken tödtet?“
„Sie, Sie ſind ſicher, die Krankheit zu tödten?“ fragte bebend die Königin.
„Ei!“ erwiederte der Doctor mit düſterer Miene, „wenn auch ein Mann für die Ehre einer Königin ſtürbe, wie viele ſterben nicht alle Tage für die Laune eines Königs?— Gehen wir, Madame.“
Die Königin ſeufzte und folgte dem alten Doctor, ohne daß ſie Andrée hatte finden können.
Es war elf Uhr Morgens. Charny ſchlief ganz angekleidet in einem Lehnſtuhl nach der Aufregung einer furchtbaren Nacht. Sorgfältig geſchloſſen, ließen die Läden nur einen ſchwachen Reflex des Tageslichtes
durch. Alles war darauf eingerichtet, von dem Kranken


