Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Zweite Abteilung, Das Halsband der Königin : 10. und 11. Bändchen (1850) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Der Doctor, der nicht geduldig gegen widerſpän⸗ ſtige Geneſende war, ließ ganz einfach vier Knechte ninheen und befahl ihnen, den Verwundeten aufzu⸗ eben. Aber Charny klammerte ſich an das Holz ſeines Bettes an, ſchlug heftig einen von den Männern und bedrohte die Anderen wie Karl XII. bei Bender.

Der Doctor verſuchte es mit vernünftigem Zureden. 3 Charny war Anfangs ziemlich logiſch, als aber die Knechte beharrlich ihre Arbeit fortſetzen wollten, machte er eine ſo gewaltige Gegenanſtrengung, daß ſeine Wunde ſich wieder öffnete und mit ſeinem Blute ſeine Vernunft entfloh. Er war in einen Anfall von Delirium zurück⸗ gekehrt, der heftiger als der erſte.

Da fing er an zu ſchreien, man wolle ihn ent⸗ fernen, um ihn der Viſtonen zu berauben, die er im Schlafe gehabt, aber es ſei vergebens, die Viſionen lächeln ihm immer zu, man liebe ihn und werde trotz des Doctors kommen, um ihn zu beſuchen: diejenige, welche ihn liebe, ſei von einem Range, daß ſie keines Menſchen Zuruͤckweiſung fürchte.

Bei dieſen Worten ſchickte der Doctor zitternd in aller Eile die Knechte weg, legte einen Verband auf die Wunde, und verſetzte, entſchloſſen, die Vernunft mit dem Körper zu pflegen, die Wunden in einen be⸗ friedigenden Zuſtand, hielt aber das Fieber nicht auf, was ihn zu erſchrecken anfing, in Betracht, daß der Kranke von der Verirrung des Verſtandes zur Tollheit übergehen könnte.

Alles verſchlimmerte ſich an einem Tag, ſo daß der Doctor Louis an die heroiſchſten Mittel dachte. Der Kranke ſtürzte nicht nur ſich, ſondern auch die Königin in's Verderben; dadurch, daß er viel ſprach, ſchrie er; dadurch, daß er ſich viel erinnerte, erfand er; das Schlimmſte dabei war, daß Charny in ſeinen lichten

Augenblicken, und er hatte deren viele, toller war, als

in ſeiner Tollheit.