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Sie erkannte dieſen Mann nicht, aber unſere Leſer werden ihn wohl erkennen: es war derjenige, welcher die Neugierigen in Beziehung auf die angebliche Kö⸗ nigin aufgewiegelt und die fünfzig Louisd'or für das Pamphlet gegeben hatte.
Die junge Frau öffnete ungeſtüm die Glasthüre, und kam bis zum Sopha, auf dem ſie ruhig einen mehr fetten als magern Mann von gutem Ausſehen ſitzen ſah, der mit einer ſehr ſchönen weißen Hand mit einem äußerſt reichen Spitzenjabot ſpielte.
Die junge Frau hatte nicht Zeit, das Geſpräch zu beginnen.
Dieſer ſeltſame Menſch machte eine Art von Gruß, halb Bewegung, halb Verbeugung, heftete einen glän⸗ fden Blick voll Wohlwollen auf ſeine Wirthin und prach:
„Ich weiß, um was Sie mich erſuchen wollen, doch ich werde Ihnen beſſer antworten, wenn ich Sie ſelbſt befrage. Sie ſind Mademoiſelle Oliva?“
„Ja, mein Herr.“
„Eine reizende, äußerſt nervoͤſe und für das Syſtem von Mesmer eingenommene Frau?“
„ Ich komme gerade von ihm.“
„Sehr gut! das erklärt Ihnen nicht, wie mir Ihre ſchönen Augen ſagen, warum Sie mich auf Ihrem Sopha finden, und das iſt es doch, was Sie beſonders zu wiſſen wünſchen.“
„Sie haben richtig errathen, mein Herr.“
„Wollen Sie mir den Gefallen erweiſen, ſich zu ſetzen; wenn Sie ſtehen blieben, wäre ich genöthigt, mich auch zu erheben; dann würden wir nicht bequem plaudern.“
„Sie können ſich ſchmeicheln, ſehr außerordentliche Manieren zu haben,“ erwiederte die junge Frau, die wir fortan Mademoiſelle Oliva nennen werden, da ſie auf dieſen Namen zu antworten ſich herbeiließ.
„Mademoiſelle, ich habe Sie vorhin bei Mesmer geſehen und ſo gefunden, wie ich Sie wünſchte.“


