Das Wetter war milder geworden und ein kräftiges Aufthauen eingetreten. Eine Armee von Gaſſenkehrern, glücklich und ſtolz, mit dem Winter ein Ende zu machen, fegte mit dem Feuereifer der Soldaten, die einen Lauf⸗ graben eröffnen, in die Goſſen den letzten, ganz be⸗ ſchmutzten und in ſchwarzen Bächen hinſchmelzenden Schnee.
Blau und durchſichtig beleuchtete ſich der Himmel mit den erſten Sternen, als Frau von La Mothe in eleganter Kleidung, allen Anſchein des Reichthums bietend, in einem Fiacre, den Frau Clotilde ſo neu als möglich gewählt hatte, auf der Place Vendome erſchien, wo ſie an einem Hauſe von großartigem Ausſehen, deſſen hohe Fenſter an der ganzen Facade glänzend erleuchtet waren, anhielt.
Dieſes Haus war das von Doctor Mesmer.
Außer dem Fiacre von Frau von La Mothe hielten viele Equipagen oder Chaiſen vor dieſem Hauſe, und außer dieſen Equipagen oder Chaiſen gingen zwei bis drei hundert Neugierige im Koth umher und warteten auf das Herauskommen der geheilten Kranken oder auf den Eintritt der zu heilenden Kranken.
Dieſe— beinahe insgeſammt reich und mit Titeln verſehen— kamen in ihren mit Wappen geſchmückten Wagen an, ließen ſich von ihren Lackeien herausheben und tragen und die in Pelze gewickelten oder in Atlas⸗ mäntel gehüllten Ballen neuerer Art waren kein gerin⸗ ger Troſt für die ausgehungerten, halbnackten Unglück⸗ lichen, die vor der Thüre auf den ſchlagenden Beweis lauerten, daß Gott die Menſchen krank mache, ohne ihren Stammbaum um Rath zu fragen.
War einer von dieſen Kranken mit bleicher Ge⸗ ſichtsfarbe und matten Gliedern unter dem großen Thor verſchwunden, ſo entſtand ein Gemurmel unter den Anweſenden, und es kam ſelten vor, daß dieſe neugierige und verſtändige Menge, die vor der Thüre der Ballſäle und unter den Säulenlauben der Theater, die ganze vergnügungsſüchtige Ariſtokratie ſich drängen
———


