Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Zweite Abteilung], Das Halsband der Königin : 1.-4. Bändchen (1849) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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wir ſind kein Gerichtshof, und überdieß beſtraft man die Abſicht nicht. Laſſen Sie hören, haben Sie ge⸗ dacht, was ich geſagt? Und Sie, Herr Condorcet, tragen Sie wirklich in Ihrem Ring ein Gift, das Sie

mir gern im Namen Ihrer vielgeliebten Gebieterin, 12

der Wiſſenſchaft, einflößen möchten?

Meiner Treue, antwortete Herr von Launay, lachend und zugleich erröthend,ich geſtehe, daß Sie Recht hatten, Herr Graf, es war eine Tollheit. Doch dieſe Tollheit ging mir gerade in dem Augenblick, wo Sie mich anſchuldigten, durch den Kopf.

Und ich, ſagte Condorcet,ich will nicht minder offenherzig ſein. Ich dachte wirklich, wenn Sie von dem koſteten, was in meinem Ring enthalten iſt, gäbe ich nicht einen Obol mehr für Ihre Unſterblichkeit.

Ein Schrei der Bewunderung war um den ganzen

Tiſch hörbar. Dieſes Geſtändniß beſtätigte nicht die Unſterblich⸗

keit, wohl aber den Scharfſinn des Grafen von Caglioſtro. Sie ſehen wohl, ſagte Caglioſtro ruhig,Sie

ſehen, daß ich errathen habe. Nun denn! ebenſo iſt es mit Allem, was geſchehen ſoll. Die Gewohnheit

zu leben hat mir mit dem erſten Blick die Vergangen⸗ heit und die Zukunft der Leute, die ich ſehe, enthüllt.

Meine Unfehlbarkeit in dieſer Hinſicht iſt ſo groß,

daß Sie ſich auf die Thiere, auf die träge Materie erſtreckt. Steige ich in meinen Wagen, ſo ſehe ich an der Miene der Pferde, daß ſie durchgehen werden, an der Miene des Kutſchers, daß er mich umwerfen oder mit mir hängen bleiben wird; ſchiffe ich mich auf einem

Fahrzeuge ein, ſo errathe ich, der Kapitän werde ein

Unwiſſender oder ein Halsſtarriger ſein, und folglich nicht das erforderliche Manöver machen können oder wollen. Ich vermeide dann den Kutſcher wie den Ka⸗ pitän; ich laſſe die Pferde wie das Schiff. Ich leugne den Zufall nicht, ich verringere ihn. Statt ihm hun⸗

dert Chancen zu laſſen, wie es alle Welt thut, benehme