Leſe, Der Wein der Mönche von Heidelberg*) iſt auch immer raſch, klar und ſchmackhaft, während der von Ovimus und mir in irdenen Amphoren verſiegelte Wein, als ich hundert Jahre ſpäter davon koſten wollte, nur noch ein dicker Koth war, der vielleicht gegeſſen, aber nicht getrunken werden konnte.
„Nun denn! ſtatt das Beiſpiel von Opimus zu be⸗ folgen, habe ich dasjenige errathen, welches die Mönche von Heidelberg geben mußten. Ich habe meinen Körper dadurch erhalten, daß ich jedes Jahr neue Principien darein goß, welche den Auftrag hatten, die alten Elemente zu regeneriren. Jeder Morgen hat ein junges und friſches Atom in meinem Blut, in mei⸗ nem Fleiſch, in meinen Knochen ein abgenutztes träges Molecule erſetzt. Ich habe die Detritus wiederbelebt, durch welche der gewöhnliche Menſch allmählig die ganze Maſſe ſeines Seins uüberwältigen läßt: ich habe alle die Soldaten in meinen Zügeln gehalten, die Gott der menſchlichen Natur gegeben, um ſich gegen die Zerſtörung zu vertheidigen. Soldaten, welche der große Haufen verabſchiedet oder im Müßiggang erlah⸗ men läßt, ich habe ſie zu einer beſtändigen Arbeit ge⸗ zwungen, welche die Eingießung eines ſtets neuen Reizmittels erleichterte, ſogar heiſchte; eine Folge von dieſem unabläſſigen Studium des Lebens iſt, daß mein Geiſt, meine Geberden, meine Nerven, mein Herz, meine
Seele nie ihre Funktionen verlernt haben; und da ſich Alles in der Welt verkettet, da denjenigen eine Sache am beſten gelingt, welche dieſe Sache immer treiben, ſo bin ich natürlich geſchickter, als jeder Andere gewe⸗ ſen, um die Gefahren eines Daſeins von dreitauſend Jahren zu vermeiden, und zwar weil es mir gelungen iſt, aus Allem eine ſolche Erfahrung zu ziehen, daß ich die Nachtheile vorherſehe, daß ich die Gefahren
von Herrn Caglioſtro. D. Ueberſ.
irgend einer Lage fühle. So werden Sie nicht machen, 4
9) Die Mönche von Heidelberg ſind eine kleine Escamotage
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