Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Zweite Abteilung], Das Halsband der Königin : 1.-4. Bändchen (1849) Mémoires d'un médecin
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

bezeichnen. Hier iſt mein Freund Taverney. Was ſagen Sie zu ihm? Sieht er nicht aus, als wäre er ein Zeitgenoſſe von Pontius Pilatus? Vielleicht iſt es aber bei ihm gerade das Gegentheil, und er iſt u alt?

Caglioſtro ſchaute den Baron an und erwiederte:

Nein.

Oh! mein lieber Graf, rief Richelieu,wenn Sie dieſen verjüngen, ſo erkläre ich Sie für einen Zög⸗ ling von Medea.

Sie wünſchen es? fragte Caglioſtro, indem er ſich mit dem Wort an den Herrn des Hauſes und mit den Augen an das ganze Auditorium wandte.

Jeder machte ein bejahendes Zeichen.

Und Sie, wie die Andern, Herr von Taverney?

Ich mehr als die Andern, bei Gott! rief der Baron.

Nunl das iſt leicht, ſprach Caglioſtro.

Und er ſteckte zwei Finger in die Taſche und zog

ein achteckiges Fläſchchen heraus. 5 Dann nahm er ein noch reines Kryſtallglas und goß ein paa Tropfen von der Flüſſigkeit darein, die das Fläſchchen enthielt. 4

Hiernach vermengte er dieſe paar Tropfen mit einem halben Gias gefrorenen Champagner und reichte den Trank, ſo bereitet, dem Baron.

Aller Augen waren ſeinen geringſten Bewegungen gefolgt; der Mund aller Anweſenden war aufgeſperrt.

Der Baron nahm das Glas, doch in dem Augen⸗ blick, wo er es nach ſeinen Lippen führen wollte, zö⸗ gerte er.

Alles brach beim Anblick dieſes Zögerns in ein ſo geräuſchvolles Gelächter aus, daß Caglioſtro ungeduldig wurde.. Beeilen Sie ſich, Baron, rief er,oder Sie laſſen einen Trank verloren gehen, von dem jeder Tropfen hundert Louisd'or werth iſt. 1