Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Zweite Abteilung], Das Halsband der Königin : 1.-4. Bändchen (1849) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Kein Geräuſch außen, die Läden hatten Dämpfer; kein Geräuſch im Innern, ausgenommen das, welches die Gäſte machten; Teller, die den Platz wechſelten, ohne daß man ſie tönen hörte, Silberzeug, das ohne einen einzigen Klang von den Buffets auf den Tiſch überging, ein Haushofmeiſter, deſſen Geflüſter man nicht einmal hören konnte... er gab ſeine Befehle mit den Augen.

So fühlten ſich die Gäſte nach Verlauf von zehn Minuten völlig allein in dieſem Saale; ſo ſtumme Diener, ſo unfühlbare Sklaven mußten in der That ſtumm ſein.

Herr von Richelieu war der Erſte, den dieſes feier⸗ liche Stillſchweigen, das ſo lange dauert, als die Suppe dauert, dadurch unterbrach, daß er zu ſeinem Nachbar zur Rechten ſagte:

Der Herr Graf trinkt nicht?

Derjenige, an welchen er dieſe Worte richtete, war ein Mann von achtunddreißig Jahren, blond von Haa⸗ ren, klein von Wuchs, hoch von Schultern; ſein hell⸗ blaues Auge war zuweilen lebhaft, häufig melancholiſch: der Adel war in unverwerflichen Zügen auf ſeine edle, offene Stirne geſchrieben.

Ich trinke nur Waſſer, antwortete er.

Ausgenommen bei König Ludwig XV., entgegnete der Herzog.Ich habe die Ehre gehabt, mit dem Herrn Grafen dort zu ſpeiſen, und damals hat er wohl Wein getrunken.

Sie rufen da eine herrliche Erinnerung in mir zurück, Herr Marſchall; ja, im Jahre 1771 war es Tokayerwein vom kaiſerlichen Gewächs.

Es war von demſelben Wein, den mein Haus⸗ hofmeiſter in dieſem Augenblick Ihnen einzuſchenken die Ehre hat, Herr Graf, erwiederte Richelieu, ſich ver⸗ beugend.

Der Graf von Haga hob das Glas bis zur Höhe ſeiner Augen empor und betrachtete es bei der Helle der Kerzen. S.