„Ja, Monſeigneur, und eben tritt ein Pferd in den Hof ein; das iſt meine Flaſche Tokayer.“
„O! könnte ich noch zwanzig Jahre ſo bedient werden!“ ſprach der alte Marſchall, zu ſeinem Spiegel zurückkehrend, während der Haushofmeiſter nach ſeiner Tiſchgeräthkammer eilte.
„Zwanzig Jahre!“ ſagte eine heitere Stimme, die den Marſchall beim erſten Blick, den er in den Spiegel warf, unterbrach,„zwanzig Jahre! ich wünſche ſie Ihnen, mein lieber Marſchall; dann werde ich aber ſechzig zählen, Herzog, und ſehr alt ſein.“
„Sie, Gräfin!“ rief der Marſchall,„Sie die Erſte! Mein Gott! wie ſind Sie doch ſtets ſo ſchön und friſch.“
„Sagen Sie, ich ſei erfroren.“
„Ich bitte, gehen Sie in's Boudoir.“
„Ol wir Beide allein, Marſchall.“
„Zu Drei,“ erwiederte eine ſchetternde Stimme.
„Taverney!“ rief der Marſchall.„Die Peſt über dieſen Freudenſtörer,“ flüſterte er der Gräfin in's Ohr.
„Geck!“ murmelte Madame Dubarry, ein Gelächter aufſchlagend.
Und alle Drei gingen in das anſtoßende Zimmer.
In demſelben Augenblick verkündigte das dumpfe Rollen mehrerer Wagen auf dem vom Schnee wattirten Pflaſter dem Marſchall die Ankunft der Geladenen, und bald nachher nahmen, unterſtützt durch die Pünkt⸗ lichkeit des Haushofmeiſters, um den eirunden Tiſch des Speiſeſaales Platz: neun Lackeien, ſchweigſam, wie Schatten, behende, ohne Haſt, zuvorkommend, ohne zu beläſtigen, auf den Teppichen hin ſchlüpfend, zwiſchen den Gäſten durchgehend, ohne je an ihren Armen an⸗ zuſtreifen, ohne je an ihre Fauteuils zu ſtoßen, Fau⸗ teuils— begraben in eine Ernte von Pelzen, worein die Beine der Gäſte bis an die Kniekehlen einſanken, das war es, was die Geladenen des Marſchalls mit den milden Feuern der Oefen, dem Geruche der Fleiſche, dem Dafte der Weine und dem Geſumme der erſten Plaudereien nach der Suppe genoſſen.


